Erstmals beim Stammtisch?

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S*****m
"Der einzige Weg, eine Versuchung loszuwerden, ist, ihr nachzugeben."
Oscar Wilde


Liebe Mit-Bären,

schon vor ein paar Jahren haben wir uns intern mit der Frage befasst, wie man den "Neulingen" beim Stammtisch den Einstieg erleichtern könnte, vor allem auch vor dem Hintergrund, dass sich eben diese beim ersten Mal etwas alleingelassen vorkommen können. Einigen geht das nicht so, aber andere finden einen Raum vor, in dem alle in kleinen Tischen umeinander stehen und sich (bereits) unterhalten. Wer dann besonders höflich ist, will diese anscheinend festen Runden nicht stören und hält sich den ganzen Abend allein an seinem Bier fest. So zumindest schildern es Einige, und eine kürzlich an Tommy herangetragene, ähnlich gelagerte Beobachtung rollt dieses Thema zu Recht wieder auf.

Tja, was kann man machen? Erst einmal geschieht diese gefühlte Vernachlässigung nicht absichtlich. Bei vierzig oder mehr Leuten kann zumindest ich mir nicht jedes Gesicht merken, und wer mich kennt, der weiß, dass gerade ich sehr lange brauche, ein Gesicht einem Namen und einer Situation zuzuordnen. Ich kann mir vorstellen, dass das Anderen genauso ergehen könnte. Andererseits beißt meines Wissens kein Stammtischgänger, und so darf man als Neuzugang auch gerne selbst die Initiative in die Hand nehmen; Ein netter Gesprächspartner dürfte sich immer finden.

Damals haben wir uns überlegt, mit Aufklebern zu arbeiten, und entweder die Neuzugänge oder aber uns als Kontaktpersonen besonders zu kennzeichnen. Das hat sein Für und Wieder, und vielleicht mögen einige Neuzugänge nicht automatisch als "Frischfleisch" gestempelt werden oder sich mancher nicht unbeginnt mit uns vom Orga-Team unterhalten wollen. Eine andere Variante wäre, wenn sich ein paar Stammtischbesucher als "Rotkäppchen" anböten, über die dann die Kontaktaufnahme laufen könnte. Vielleicht verabreden sich die Neulinge auch im Vorfeld hier im Vorfeld mit jemanden aus der Community beim Stammtisch. Denkbar wäre auch ein Tisch speziell für Neuzugänge...

Tja, was meint Ihr, liebe Leute? Was haltet Ihr von diesen Ideen, oder habt Ihr vielleicht sogar eine bessere Idee? Vielleicht plaudert Ihr ein wenig über Euer "erstes Mal" oder meldet Euch als Neuzugänge einfach 'mal hier zu Wort?

Tommy und ich sind gespannt auf Eure Antworten.

beste Grüße,

Euer Vetbaer a.k.a. Dr. Goldbaer
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a member
Tisch für Neuzugänge...Rotkäppchen.. wah!
Als nächste Variante müssen sich dann alle Besucher im Kreis aufstellen, sich einen Ball zuwerfen und dabei ihre Namen rufen?

Einfach mal den Finger aus'm Arsch ziehen und Hallo sagen.

An dem Stempel "Frischfleisch" kommt niemand vorbei, daß ist einfach so und es bricht sich wohl keiner nen Zacken aus der Krone, das Frischfleisch zu begrüßen, wenn es denn Hallo sagt.
Wer denn doch eher das scheue Reh ist, sollte einfach in Begleitung erscheinen, daß macht es sicher einfacher.

Sich irgendwo in die Ecke zu verkrümeln und an die Handtasche geklammert, ängstlich in die Gegend zu starren, ist wohl kaum die richtige Taktik, will man Kontakte knüpfen.
00
K********b
ich sehe das wie Bigbear8 einfach mal Hallo sagen..

Mein erstes Mal war 1997 und schon da war die gruppenbildung aktiv man nahm die neuen wahr aber mehr auch nicht!

Ich hatte damals das Gefühl nach meinem Ersten mal na ja die wollen dich nicht.( nur eine Objektive Betrachtung damals gewesen)

Gestern hatte ich eine interessante unterhaltung mit Freunden die mir sagten das Jungbären in die Bar romantis gingen.. die Frage die sich mir da auftut ist warum sind so wenig Jungbären bei den Leinebären???

Oder wie werden die Leinebären wahrgenommen. nur für leute ab 30 oder 30+?

Dennis
00
S*****m
Die Jungbären sind eine weitere Baustelle; Da habe ich vor ein, zwei Jahren 'mal eine umfassende Befragung bei Bärenclubs, Jungbären und Jungbärenclubs gestartet. Die ganzen Ergebnisse hier zu präsentieren, würde den Rahmen sprengen, aber ein paar Eckpunkte gebe ich 'mal weiter:

Es herrschen viele Vorurteile auf beiden Seiten, soll heißen, auf der Seite der Jungbären und auf der Seite der Bärenclubs. Der Klassiker ist "Die wollen doch gar nichts mit uns zu tun haben" . Viele Jungbären haben Angst, dass sie von den Älteren wie Frischfleisch begrabbelt werden oder sich ganze Abende nur über Haftcremes und 1001 Wehwehchen unterhalten müssen. Die Älteren halten sich für unattraktiv und fürchten moderne Musik und den Verlust eines gemütlichen Abend.

Junge Leute sind weniger als wir Älteren bereit, Verantwortung in sozialen Dingen zu übernehmen; sie begründen das mit den steigenden Anforderungen an sie in Lehre, Studium, Ausbildung und Beruf. Sie sind in höchstem Maße flexibel und binden sich daher seltener an Orte oder Gruppen; im Sinne von "warum soll ich mir eine Gruppe von Bekannten im Ort x suchen und mich daran binden, wenn ich nicht weiß, wo ich nächstes Jahr um diese Zeit sein werde?".

Es ist sowieso ein gewisser Kulturschock, der mittlerweile als Aufeinandertreffen von sog. digitalen Einwanderern und digitalen Bürgern bekannt wird. Ausschlaggebend sind die 80er; wer davor geboren ist, kennt PCs und Informationstechnologie erst ab einem gewissen Alter ("Einwanderer") und manch einer findet sich darin nicht so ganz zurecht. Wer danach geboren wurde, kennt Bits und Bites seit Kindesbeinen an, kennt es quasi nicht anders ("Bürger"). Und diese beiden Gruppen ticken offensichtlich in vieler Hinsicht anders.

Bei vielen Bärenclubs sind die Meisten digitale Einwanderer, Leute jenseits der Mitte Dreißig. Wir haben noch mitbekommen, wie LGBT-Rechte erkämpft werden mussten, und wir waren auf spezielle schwule Lokalitäten angewisen, auch um einen Partner zu finden. Mittlweile ist die Akzeptanz besser (aber noch längst nicht gut!), und natürlich muss man weiterkämpfen, aber heute ist man nicht mehr so sehr auf rein schwule Lokalitäten oder Gruppen angewiesen, weil man einerseits als Schwuler nicht mehr soo schief angeschaut wird, und weil es im Netz 5000 Möglichkeiten gibt, Kerle aufzutun; da sei nur an Edmaiers "GayRomeo 4ever" erinnert.

Das sind auch mit die Gründe, warum viele Jungbären eher ihre eigene Clique haben, mit denen sie etwas unternehmen, als einer Bärengruppe zu folgen. Obendrein definieren sich Viele nicht wirklich als bärig bzw. tun das erst ab Ende 20/Anfang 30. Daraus erklärt sich auch, warum es so wenig Jungbärengruppen gibt, und warum in ihren Communities anscheinend so wenig los ist.

Die Flexibilität bringt auch mit sich, dass sich gerade junge Leute sehr spontan entscheiden, was sie mit einem Wochenende oder einem Abend machen möchten. Da ist dann die Diktion: "Ihr könnt ja 'mal x, y oder z organisieren, aber ich komme, dass entscheide ich dann kurz zuvor" - natürlich DER Overkill für jeden, der etwas organisieren möchte .

Summa Summarum: sie erscheinen schwer greifbar, die Jungbären, so zumindest mein Eindruck. Ich würde gerne diese Jungs miteinbeziehen, aber noch haben wir kein Patentrezept gefunden. Vielleicht habt Ihr ja 'ne Idee?

herzlichst, 

Euer

Vetbaer a.k.a. Dr. Goldbaer
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S*****m
...und mein erstes Mal beim Stammtisch? Das war Spätsommer/Herbst 1999. Ich hatte das Coming-Out gerade angegangen, war aber noch nicht weit damit. Da traf ich beim Cruisen einen jungen Mann, der mir eröffnete, dass das, was ich bin und worauf ich stehe, "Bär" heißt, dass sich die Bären in Hannover regelmäßig treffen, und lud mich ein.

Ich hab' schon damit gehadert, wollte da nicht aufkreuzen, ohne jemanden zu kennen, aber da der junge Mann mir sagte, er würde ab 20 Uhr dort sein, plante ich mein Kommen für 20:30 - um dann in ca. 20 fragende Augenpaare zu schauen, von denen keines dem jungen Mann gehörte (der war nämlich doch noch nicht da). Nachdem ich etwas verwirrt kurz gegrüßt und mich vorgestellt habe, gab's ein paar Worte des Willkommens von Enrico und ich nahm Platz. Der Typ neben mir packte mir gleich an den Oberschenkel und meinte, ich wäre aber "ein netter Bär". Das wird er wahrscheinlich gar nicht 'mal böse gemeint haben, aber damals war der unerlaubte Griff in Reichweite meines Dödels für mich als Quasi-Ungeouteter ein absolutes No-Go, was ich ihm auch ziemlich deutlich zu verstehen gegeben habe. Der Abend wurde aber netter, denn einserseits kam dan irgendwann auch der besagte junge Mann - und ich traf auf meinen zukünftigen Lebenspartner wieder, aber das ist eine andere Geschichte...

Mir zumindest hat der Stammtisch den entscheidenden Halt gegeben, als ich ihn brauchte - die Aussage des Stammtisches als solchem war: "Hey, Du bist nicht allein, und schau 'mal, wie viele untuntige Schwule kommen mit ihrem Schwulsein bestens klar - und haben sogar Spaß dabei! Das kannst Du auch!" Reimte es mir zusammen, tat es, schaffte es . Und somit endeten sieben Jahre Vor-Coming-Out-Hölle.

Euer

Vetbaer a.k.a. Dr. Goldbaer
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a member
Untuntige Schwule?

Da warst Du aber heftigst von den Zwangsvorstellungen und damit einhergehenden Klischees der heterosexuellen Sozialisierung geprägt.
Ich war als Jungtunte auch erstmal schockiert, daß bei den Lederelsen die größten Kreischen rumspringen, habe dann aber akzeptiert, daß es zu den gängigen Klischees meistens auch genau umrissene Gegenklischees gibt, die letztlich genauso unglaubwürdig sind.
Ich fürchte jedoch, daß sich die Verbreitung solcher Klischees sogar noch verstärkt hat und die heutige Generation junger Schwuler durch den medialen Dauerbeschuss mit "guten" heterosexuellen Rollenbildern und "bösen" homosexuellen Rollenbildern noch stärker verunsichert ist, als es meine Generation war.
Es ist an uns, diese Klischees zu entlarven und zu zeigen, daß es in jeder Szene, ob nun Leder, Bären, Gucci oder sonstwas, immer eine Mischung aus verschiedenen Charakteren gibt und es da keine Wertigkeit gibt.
Ich bin kein besserer Mensch, wenn ich dem klassischen Bild eines butchen Holzfällers entspreche. Ein Lederkerl ist nicht weniger wert, bloß weil er Britney Spears verehrt oder Orchideen züchtet.
Ich denke, wenn man vermitteln kann, daß man einfach nur Teil einer bunten Welt ist, in der sich niemand verstellen muss, um gleichberechtigt zu sein, hat es auch der Nachwuchs leichter.
Blöd nur, daß selbst unter Schwulen sowas nicht funktioniert. Da wird munter diskriminiert und abgegrenzt, sich als klüger, wohlhabender oder weltgewandter dargestellt und belächelt, wer dem eigenen Ideal nicht entspricht.
So lässt sich auch der gute Wille nicht einfach verkünden. Da muss jeder einzelne Schwule zuerst an sich selbst arbeiten.
Stattdessen tun sich immer neue Gräben auf. Da schimpft der um maximale Anpassung bemühte, verpartnerte Reihenhaushomo mit Bildungshintergrund auf den promiskuitiven Schwulen, der bunt und kreischend den CSD und Gran Canaria unsicher macht und umgekehrt...
...und die Jungschwulen sind ja auch nicht ganz blöd. Die merken recht schnell, daß da hundert Subszenen existieren, die alle in ihrer eigenen Suppe sitzen. Dank der bereits angesprochenen Möglichkeiten, sich via Internet selbst zu organisieren, wird die klassische Szene mit Stammtischen und dergleichen wohl irgendwann einfach aussterben.
Die Dinge entwickeln sich eben weiter.
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a member
Hallo ich will auch mal was zu dem Thema schreiben

Ich bin der Wilfried

Ich habe am 01. November 2013 zum ersten mal den Stammtisch der Leinebearen besucht.
Will mal über mein erlebtes berichten:
Ich habe mit einem guten Bekannten den Stammtisch besucht.
Da wir die ersten waren haben wir an einem Tisch Platz genommen, haben ziemlich verlassen da gesessen, kam nach und nach Männer rein die sich an den Stehstischen und Tischen Platz genommen haben.
Ich habe gedacht da ich das erste mal da war, das gemand mal vobei kommt der eigendlich was zu sagen hat, dem war nicht so.
Da setzen sich zwei vor und an den Tisch die was essen wollten, setzten sich zwei dazu. Der eine drehte sich um und frage mich ob ich das erste mal da wär, das ich bejaht habe, der sagte Du armes würmchen, dachte mir was will er denn, den Sinn habe ich erst später erfahren.
Dann kam noch einer vorbei der mich das selbe fragte und ging weiter und ersetze sich zwei Tische weiter wo drei Karten spielten, davon werde ich noch später berichten.
Gesagt getan bin dann mal wie er sagte ins gewimmel gegangen, war aber niergend ein Gespräch anzufangen, habe da wie dumm da gestanden hat niemand regiert.
Ich dachte gehst mal zur Theke, vielleicht läßt sich da ein Gespräch anfangen, hatte auch ein Gespräch angefangen mit dem der gesagt hat das ich ins Gewimmel gehn soll ist aber nur paar ein paar Worten geblieben, weil ein neuer Gast rein gekommen ist und er mit ihmen gesprochen hat und mir seinen Rücken zugedreht hat.
Da habe ich beschlossen zu gehen und mir geschworen das tust Du Dir nicht mehr an

UNd nun kommt der zweite Teil meiner Geschichte die etwas erfreulicher ist:
Und wie das so im Leben ist bist Du ja neugierig, habe mir zu Hause die Mitglieder der Leinebearen angesehen.
Da ist mir Andreas (Cat-Confuser) aufgefallen und festgestellt
das wir vor langer Zeit schon mal Kontakt hatten. Habe ihm von meinem erlebten berichtet. Er ist wohl gekommen als ich gegangen bin, vielleicht wäre das dann auch anders gekommen, wenn wir uns begnet.
Hatte mittlerweile mir vorgenommen es bei den Gruselwichtel zu versuchen. Er hat geschrieben das er sich an diesem Abend ausschließlich üm seien Übernachtungsgast kümmer wird, mich aber vorstellen wird und mich an den richtigen Tisch setzen wird. Und nun komme ich zu dem zweiten und zwar Dennis (Sir_Erlend) hat hat gesagt das man nicht so schnell aufgeben soll. Wir haben uns an dem Abend verabredet und sogar aus gemacht was wir anziehen werden.
Und nun komme ich zu dem vorher erwähnten Tisch zurück, an dem Norbert und Thomas saßen.
Sie haben mir heute Abend geschrieben das sie mich nicht erkannt hätten, denn wir haben ja auch vor langer Zeit kontakt. Mir kamen die beiden auch bekannt vor wußte sie nicht einzuordnen, wenn sie mich erkannt hätten, hätte ich mich ja zu Ihnen an den Tisch setzen können

Es hat ja alles ein gutes Ende nommen

Hoffe ich habe nicht zu lang geschrieben

Euer Wilfried
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