K*******uGestern abend in unserer Stammkneipe mit überwiegend etwas älteren Gästen kam gegen 22h eine Gruppe leicht angetrunkener etwas jüngerer Männer, so zwischen 20 und 30 Jahren würde ich schätzen. Die 7 oder 8 Männer gehörten nach meiner Vermutung wohl zu eienm Sportverein o.ä., leicht angetrunken und ziemlich lautstark wurde eine erste Runde Bier bestellt. Wir und die anderen Gäste, von denen wir Einige persönlich kennen, kümmerten uns nicht darum und setzten unsere Unterhaltung fort.
Am Rande hörte ich von den jungen Leuten dann, die sich untereinander unterhielten und sich nicht um die anderen Gäste kümmerten, dass man irgendwie auf Homosexuelle zu sprechen kam. Irgendeinen Menschen hatte man dort wo man herkam, vermutlich schon von einer Kneipe oder einem Vereinslokal, für schwul gehalten und da kamen sie wieder, genau die gleichen Vorurteilen wie ich sie aus meiner Jugend vor über 60 Jahren kenne. "Die fassen jeden Mann auf den sie scharf sind gleich an " usw. , am liebsten hätte ich gesagtg "Jungs ihr habt überhaupt keine Ahnung von Homosexuellen", aber habe es natürlich gelassen.
Was ich traurig finde ist, dass die Leute die damals in den 60ern so redeten und dachten ja keine Schuld daran hatten, weil es kaum Informationen gab, wogegen nun seit Jahrzehnten immer wieder in den Medien, in Literatur und Filmen ausführlich über Schwule meistens gut verständlich berichtet oder geschildert wird wie sie leben. Trotzdem hat sich am Gerede über uns kaum etwas geändert und das wird es sich wohl auch nicht, denke ich jetzt. Früher, als die viele Aufklärung zum Thema in den 70ern kam, habe ich mir mal vorgestellt, man würde uns in der Zukunft wie Seinesgleichen sehen, davon sind wir trotz aller Aufklärung noch fast genau so weit entfernt wie damals befürchte ich.
Created28/02/2026edited 4 times E*******eDas, was Du befürchtest, kann natürlich sein. Allerdings weiß ich nicht, ob man von einer Gruppe von ein paar angetrunkenen Mannern gleich darauf schließen kann, dass die ganze Gesellschaft so denkt.
Dafür wäre es natürlich auch noch interssant, wie die Gruppe sich zusammensetzte. Ich meine bestand die Gruppe aus rein deutschen oder ausländischen Männern oder war sie gemischt? JE nach NAtionalität haben gerade ausländische junge Männer ja oft ein negativeres Bild von uns. Konnte man evtl. anhand der Kleidung oder Ausdrucksweise erkennen, ob da auch etwas "gebildetere" Menschen dabei waren? Waren da alle einer Meinung oder gab es in der Gruppe auch Gegenstimmen?
T********hOb man von dem Verhalten dieser Gruppe junger Männer erkennen kann das sich nichts geändert hat, weiß ich nicht. Meine Beobachtungen sind anders. Allerdings habe ich mit angetrunkenen Männern in Kneipen seit Jahren gar keine Erfahrung.
T******pViele Männer würden, glaube ich, gerne einmal mit einem Mann intim werden, trauen sich aber nicht und verurteilen Homosexuelle um sich nicht bloß zu stellen.
K*******uEs waren einheimische junge Männer und ich konnte auch niemand mit Migrationshintergrund am Aussehen erkennen, der Bildungsgrad schien durchschnittlich zu sein nach dem was ich mitbekommen habe. Ich finde schon, dass man aus so einem Kneipengespräch etwas schließen kann und ich meine man sollte sich nichs schönreden, es wird so sein wie altundbi es gerade beschreibt, denke ich auch.
Created28/02/2026edited once K*******uIch habe mein Leben lang in der Innenstadt gewohnt und auch immer gerne mal eine sog. Kneipe aufgesucht und Rolf und ich machen das immer noch gerne, lieber Wemkendorf. Ich finde es auch nach wie vor intressant wie so unterschiedliche Leute in einer Gasstätte aufeinander treffen. Das habe ich immer verglichen mit einem Würfelspiel wo es immer unterschiedliche Ergebnisse gibt, was auch das Spannende ist, wer sich in einer Kneipe aufhält außer den Stammgästen die man kennt. Hier haben wir auch öfter Touristen und es hat schon so manche nette Unterhaltung gegeben. Was ich beschrieben habe, da ging es ja auch nicht um Unfreundlichkeit oder Aggressivität, das haben wir gestern nicht erlebt, nur dieses Gespräch gab mir etwas zu denken. So nach ein paar Bier sagen die Leute schon oft was sie denken.
Created28/02/2026edited once Lenchen66 yrsMeine Erfahrungen sind, dass Menschen sich und ihr Sein als üblich anzusehen. Was ich damit meine, wenn Menschen nicht direkt mit queeren Menschen zusammen treffen sind die Vorurteile ähnlich wie vor Urzeiten. Der Schwule im Fernsehen oder Film aber auch im Internet wird nicht als wirklich oder Mensch angesehen.
Toleranz ist theoretisch da, wird aber nie auf die Probe gestellt.
Glücklicher Weise leben mehr queere Menschen offen und CSDs gibt es nicht mehr nur in Metropolen. Aber genau das stärkt leider auch Gegenreaktionen und ich denke, es trifft zu, dass viel queerfeindlichkeit auch der Betonung der eigenen Normalität dient, gerade wenn diese nicht so sicher ist, wie gerade Mann nach außen vertritt. Dabei reagieren Frauen eher auf lesbisch Sein ablehnend als auf Schwule oder trans Frauen.
K*******uDas ist wohl das Problem bzw. der Grund das es in dieser Hinsicht auch in Jahrzehnten so wenig Fortschritt gibt, Lenchen. Immer noch versucht ein großer Teil der Menschen mit homosexueller Neigung mit viel Tarnung durch den Alltag zu kommen und das ist auch in allen Altersgruppen so und auch egal ob geoutet oder mit einer Partnerin oder einem Partner zuusammen lebend.
Man versucht das Thema außen vor zu halten und möglichst nicht direkt sagen zu müssen was man ist. Der Eine hat Sorgen wegen den Kollegen oder auch um den Arbeitsplatz und Anderen treibt die Angst vor Eltern, Familie und auch Nachbarn dazu sich wenigstens etwas zu verstecken. Was dabei herauskommt ist eben, dass Viele gar keine Schwulen oder Lesben kennen lernen können wenn Diese nicht gerade im direkten Umfeld und geoutet sind.
Ich will mich da selbt auch gar nicht ausnehmen, was die "alltägliche Tarnung" angeht. Ich hätte ja diese Gruppe gestern abend ansprechen können " Leute wir Beide hier sind schwul und was ihr da redet ist wirklich Mist", aber abgesehen davon, dass ich meinen Partner da ungewollt mit hereingezogen hätte, bei eine Gruppe mit der ich noch nie gesprochen habe hätte ich es mir auch nicht getraut.
Nan muss jedoch wohl festhalten, dass es im Grunde falsch ist und uns als gesellschaftliche Gruppe nicht weiterbringt, wenn wir bei so viel Gelegenheiten im Alltag immer getarnt bleiben. Sicher, die mit Parterin oder Partner leben wissen schon das sie leichter auffallen und man über sie redet, aber trotzdem versuchen auch da Manche die "Unauffälligkeit", wie ich oft sehe und ich gebe zu, dass wir uns selbst mitunter auch nicht anders verhalten.
T******pDas Problem ist, Frauen können untereinander Gefühle zeigen, Männer eher nicht. Männer sind daher eher empfindlich oder besser gesagt, peinlich berührt wenn es um Gefühle zwischen Männern geht. Daher verurteilen sie Männersex.
T******pDas Problem ist, Frauen können untereinander mit Gefühlen umgehen, Männer eher nicht. Daher ist es für Männer befremdlich, wenn sich Männer näher kommen.
K*******uIch weiß nicht, altundbi, damit fangen wir doch nur an, eine Entschuldigung für Männer zu suchen die Ihre oder auch Homosexualität allgemein nicht akzeptieren mögen. Diese Psychoananlyse mag ja auf einige Männer zutreffen, aber ich denke es gibt auch jede Menge anderer Erklärungen für Homophobie.
Wovon ich geschrieben habe ist auch etwas Anderes. Ich habe mir und Euch die Frage gestellt, in wie weit wir selbst mit daran Schuld sind, dass unsere homosexuelle Neigung uns für viele Menschen immer noch zu Außenseitern in der Gesellschaft macht und ob dies auch mit daran liegen kann, dass wir im alltäglichen Leben oft auch nicht den Mut aufbringen dazu zu stehen was wir sind.
Lenchen66 yrsDa habe ich für mich eine klare Antwort, lieber Franz.
Nicht die klein gemachte, diskriminierte Person ist Schuld an Abwertung.
Die Abwertung sagt auch nichts über die von Vorurteilen betroffene Person, aber ganz viel über den Menschen, der es nötig hat sich meist in einer Mehrheit zu verstecken und auf andere herab zu sehen.
Hier gilt der Satz: Ich kann mir nicht aussuchen, wer ich bin und wen ich begehre. Aber ob ich ein Arschloch bin bestimme ich schon selbst.
K*******uja klar, Lenchen, wir sind nicht Schuld wenn uns Menschen abwerten, aber um so mutiger und offener wir selbst sind, um so weniger gelingt es Leuten uns abwerten zu wollen. Ich bin immer in meine kleinen Stadt geblieben und habe den Anfeindungen wegen meiner Lebensweise bis heute standhalten können. Ich habe immer gesehen, dass es Menschen gab und auch heute noch gibt, die mich und meinen Partner sehr distanziert gegenüber stehen, aber wir haben auch bei Familie, Nachbarn und Arbeitskollegen viel Zuspruch erfatren, was nicht funktioniert hätte, wenn ich nicht immer eine gewissen Offenheit gezeigt hätte und nicht bereit gewesen wäre auch über uns zu sprechen.
T******pMenschen suchen sich, wenn sie Probleme mit dem Selbstbewusstsein haben, schwächere aus um sich größer zu machen, das ist, denke ich, bei vielen ein Grund.
Es steckt auch immer noch in uns, dass Homosexualität einmal strafbar war und daher auch noch eine gewisse Aussenseiterrolle einnimmt.
Lenchen66 yrsGenau so sehe ich das und lebe es.
So habe ich auch viele gute Freunde und viele Bekannte auch hier im Viertel, die mich respektieren, auf jeden Fall mehr als mich verachten.
Und wie gesagt, die sagen damit mehr über sich als über mich.
Lenchen66 yrsDas habe ich selber nicht mehr bewusst gefühlt, bin gerade darum herum gekommen, zumindest was erwachsene Menschen angeht.