Lenchen66 yrsMal wieder angeregt durch die TAZ mache ich mir Gedanken um ein grundlegendes Thema.
Was ist für mich "Zuhause".
Ich stelle die Frage mal bewusst offen, grenze sie nicht ab.
Hopepunk57 yrsmoin
Zu Hause ist der Ort wo ich ich sein kann!!
Sicher und geborgen.
Lenchen66 yrsStimmt, lieber Hopepunk. Funktioniert dieses Zuhause für Dich ohne andere Menschen, ganz frei und unabhängig?
Hopepunk57 yrsLiebes Lenchen,
meine Antwort beinhaltet auch Sehnsucht und Hoffnung.
Funktioniert immer wenn man die hektische Welt da draussen verläßt.
Aber es gibt kein Rezept, da für jeden seine Sehnsucht eine andere ist.
Das gleiche gilt für Freiheit . Und Liebe
Lenchen66 yrsSehe ich genau so. Aber Zuhause, behaust sein, ist ja mehr als Sehnsucht und Hoffnung. Es ist ja auch ein Grundbedürfnis, fast wie Essen und Trinken, entsprechend dem Bedürfnis nach menschlicher Nähe.
Der Verlust ist gefährdet nicht direkt unser Leben, kann uns aber krank machen.
Lenchen66 yrsUm die hektische Welt hinter uns zu lassen, brauchen wir aber eben einen oder mehrere Räume.
K*******uOhne Vorwarnung von einer Minute zur nächsten seine schöne Wohnung und damit mein Zuhause und meinen Rückzugsort zu verliern ist mir am 15. August dieses Jahre, wie ich hier ja auch berichtet habe, passiert. Ein schlimmer Dachstuhlbrand über unseren ganzen Wohnblock hat alle 32 Wohnungen unbewohnbar gemacht.
Ich habe zumindest "Glück im Unglück" gehabt, mir wurde schnell wieder eine gute Wohung ganz in der Nähe meiner Bisherigen angeboten und ich hatte ein gute Versicherung, welche eine Firma beauftragt hat, die auch Alles durch Löschwasser bzw. dessen Folgen Angegriffene nach der Räumung der alten Wohnung restauriert oder gereinigt in die Neue zurück gebracht hat.
Was mir dabei auch klar geworden, dass um es mein Zuhause zu nennen und so zu fühlen auch der Standhort wichtig ist. Da ich immer in einem Viertel gewohnt habe, wäre ein Umzug wo anders hin für mich Heimatverlust gewesen.
Created20/12/2025edited once Lenchen66 yrsJa, auch die Zerstörung Deiner Wohnung kam mir bei dem Thema in den Sinn, lieber Franz.
Interessant finde ich aber, wie Du hier zwei für das deutsche Denken sehr prägende Begriffe zusammen bringst. Ich meine Zuhause und Heimat. Ich könnte sie nicht in die zweite Sprache, in der ich denken und träumen kann, ins Englische, übersetzen. Ich müsste sie umschreiben, um sie in ihrer Ähnlichkeit aber auch Unterschiedlichkeit 6deutlich zu machen.
Obwohl uns das Zuhause weitaus persönlicher betrifft denken wir nicht ans Verteidigen, was uns bei Heimat wohl eher einfällt, ob sinnvoll oder nicht.
K*******uBei "Heimat" denke ich auch immer an die Nachkriegszeit, wo hier nach Ostfriesland viele Menschen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten kamen, da war immer die Rede von "der alten Heimat" welche sie verloren hatten und nach der sie im kalten Krieg nicht einmal mehr besuchsweise konnten. Damit klar zu kommen war sicher sehr schwer und ich denke das werden auch Einige nicht geschafft haben. Das habe wir als Kinder damals ja nicht so mitbekommen. Die ich später im Berufsleben kennengelernt habe, welche als Kinder herher gekommen sind waren alle sehr gut integriert und sprachen mitunter besser plattdeutsch als die Kollegen die von hier stammten.
K*******uWas man heutzutage immer mit "Rassismus" hat ! Ja, die Ostpreußen und Schlesier die damals hauptsächlich zu uns kamen waren für die Einheimischen zunächst "ein Völkchen für sich" aber zumindest für die Jüngeren unter Ihnen ist Osfriesland sehr schnell ihre Heimat geworden, von der "alten Heimat" träumten wohl nur noch die Älteren.
Lenchen66 yrsNun, mein Vater, 1945 sieben Jahre alt, vermisste seine Heimat und machte "die Polen" dafür verantwortlich bis gut 2015, bis er einen Urlaub in Polen, wenn auch nicht an seinem Geburtsort, machte.
Da war und ist viel Unverständnis und Hass wohl auf beiden Seiten, bei Polen und Deutschen, trotz der historisch immer bestehenden Vermischung der nicht klar abzugrenzenden Bevölkerungen.
Auch ich habe deutsche und polnische Vorfahren auf väterlicher Seite.
K*******uMein ehemaliger Chef der aus Schlesien stammt und so im Alter von 14 Jahren die Flucht mitgemacht hatte war auch, was die Einstellung und politische Richtung anging, vergleichbar mit Dem was Du von Deinem Vater schreibst, Lenchen. Auf der anderen Seite hatte er zusammen mit seinem Vater 1960 schon ein Haus gebaut hier auf dem Land und sprach besser plattdeutsch wie ich und war in dem Dorfleben und auch sonst beruflich voll integriert.
T***bVon Ausnahmen abgesehen ist die Integration der Heimatvertriebenen keineswegs vorbildhaft gelungen. Wer sich informieren möchte, sollte einmal das Buch von Andreas Kossert mit dem Titel „Kalte Heimat“ lesen. Sein ernüchterndes Fazit: „Nicht willkommen. Die Vertriebenen nach 1945 in Deutschland.“
Mit diesem Buch erschüttert Kossert den Mythos von der rundum geglückten Integration der Vertriebenen aus den deutschen Ostgebieten. So erhalten wir ein nach seinen Angaben wirklichkeitsgetreues Bild von ihrer Ankunft in der Bundesrepublik, dem Land, das ihnen zur neuen, aber kalten Heimat wurde.
Lenchen66 yrsDanke für die Empfehlung, lieber Arden. Kannte ich noch nicht.
Aber vielleicht möchte jemand einen eigenes Thema setzen mit Heimat.
Ich fände es immer noch spannend, was uns ein Zuhause gibt.
Lenchen66 yrsJetzt habe ich auch das Thema was Heimat ist eröffnet.
Snoopi-El/ Franz hat mal die KI zu den Unterschieden Befragt und bekam diese Antwort:
"Heimat ist ein tiefes, emotionales Gefühl der Zugehörigkeit, Herkunft und Geborgenheit, oft verbunden mit Kindheit, Kultur, Landschaft und vertrauten Menschen, das über einen konkreten Ort hinausgeht und auch ein „Wahlheimat“ sein kann. Zuhause hingegen bezeichnet meist den physischen Ort, an dem man gerade wohnt – eine Wohnung, ein Haus – wo man sich wohlfühlt, aber nicht unbedingt verwurzelt ist, und es kann auch ein vorübergehender Ort sein. Kurz gesagt: Heimat ist das Herz, Zuhause ist das Bett."
Mit der bin ich für beide Begriffe nicht einverstanden. Für den Begriff Heimat habe ich im Thema dazu geschrieben.
Aber das mein Zuhause nur das Bett und eben nicht das Herz sein soll ist für mich absolut falsch, ja geradezu gefährlich.
Ich verweise da auf das englische Sprichwort "My Home is my Castle", "Mein Zuhause ist meine Festung".
Genau dieser Gedanke ist doch für viele Flüchtlinge und war es gerade für die Vertriebenen nach 1945 überlebenswichtig.
T********hBei zu Hause denke ich auch noch an was anderes. Es passiert wohl vielen Menschen im Leben das man sich nicht mehr zu Hause fühlt, weil man mit den Mitbewohner nicht mehr zusammen leben möchte. Da bleibt einem doch nicht anders übrig als sich ein neues zu Hause zu suchen.
Mir ging es ja damals so, als ich den Wunsch hatte mit einem Mann zusammen zu leben. Das schien mir mit meinen Eltern, dem Großvater und meiner Schwester unmöglich. Da habe ich mir ein neues zu Hause gesucht.