K*******uIch habe ja auch noch die Zeit mitgemacht als Religion noch eine größere Rolle spielte in der Bevölkerung, Lenchen. Als Jugendlicher und später bei der Bundeswehr wurde mir erst bewußt was das eigentlich mit den Menschen macht und das ich mit diesem christlichen Glauben nur sehr wenig anfangen konnte. Du hast natürlich Recht, was die Geschichte der Europäischen Nationen angeht, wie da die Verbindung zur christlichen und jüdischen Religion besteht, oder soll man sagen bestanden hat ?
Vieles was ich davon heute sehe wie Staat und Kirchen versuchen diese Verbindung zu erhalten, kommt mir sehr künstlich vor und stärkt glaube ich eher das Mißtrauen gegen "die da Oben" weil es so aufgesetzt ist. Besonders wie dies nach der Wiedervereinigung 1990 gelaufen ist, muss für die nicht mehr christlich geprägten DDR-Bürger sehr bevormundent gewirkt haben.
Was heutzutage das Denken und Handeln prägt, da befürchte ich, dasss die Medien und die Digitalisierung eine große Rolle spielen. War das schreiben mit der Hand noch mühsam, kann heute Jeder der eion bißchen lesen und schreiben gelernt hat in die Tasten hauen, was ja auch reichlich geschieht und worin wir hier in der Community auch keine so große Ausnahme sind, auch wenn wir uns Mühe geben, etwas Niveau zu halten.
Created06/03/2026edited once Lenchen66 yrsGenau da setzt mein Denken an, lieber Franz, dass wir Atheisten oder Agnostiker denken, dass das alles uns ja nicht prägt. Aber ich fürchte Gesellschaften sind da unbeweglicher als uns bewusst ist und kulturelle Prägungen beharrlicher als uns lieb ist.
Ich denke, was ich meine, wird deutlicher wenn ich den historischen Versuch weiter führe.
Klar ist, dass es drei Religionen gibt, die aus den Wurzeln des Judentums hervor gingen. Seit dem ersten Jahrhundert mit der Zerstörung des zweiten Tempels und dem Verlust der Bundeslade entwickelte sich die Ursprungsreligion zu einer rein auf die fünf Bücher Mose und deren Auslegung gestützten Religion, die jeder männliche Jude lesen können musste und mit diskutiert hat.
Das Christentum wurde ursprünglich ähnlich gelebt, wurde aber, nachdem es ab ungefähr 320 nach Christus sich allmählich zur Staatsreligion entwickelt den Bedürfnissen der Staaten angepasst. Es wurde nicht mehr in den Gruppen ausgelegt sondern von Priestern, die alleine den Willen Gottes deuten konnten, ausgelegt. Den Gläubigen war es sogar verboten, die Schriften selbst zu lesen. Das galt für katholische Menschen bis ins 19. Jahrhundert.
Das viele Rituale des Christentums sogar heidnische Bräuche integrieren wie die Sonnenwendfeiern oder der Tag vor Allerseelen, Halloween, zeigt für mich die Beharrlichkeit kultureller Prägungen im Unterbewusstsein.
Wieder zum Selbststudium zurück ging die dritte auf Moses zurück zu führende Religion. Sie entstand ab dem 7. Jahrhundert und ist dem Judentum in vielem ähnlicher als das Christentum.
Aber diese Religion prägt unsere Gesellschaft eher indirekt und direkt erst seit den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts.
Ich bin der festen Überzeugung, dass die Art wie Menschen denken auch heute noch von den Lebensbedingungen und Denkräumen unserer Vorfahren geprägt sind. Wir können uns nur langsam daraus befreien, und das mit Fortschritten aber auch mit Rückschritten.
K*******uDas ist Alles geschichtlich nachvollziehbar, Lenchen, es bleibt aber für mich die Frage, ob und wie die Beeinflussung der einfachen Menschen bzw. des Großteil der Bevölkerung durch die Oberschicht sowie Staats- und Religionsführungen geschieht. Die Methode mit der dies nach meiner Vermutung heute überwiegend vor sich geht habe ich im Vorbeitrag genannt, aber es gibt auch die direkte, nicht nur durch das Internet erfolgende Einflußnahme von Politik und Religion, Macht und Geld sind ja da, wie man nach 1990 besonders sah.
Ganz deutlch wurde mir das wenn ich mit Menschen zusammen kam, welche die 40 Jahre überwiegend in der DDR gelebt haben und Diesen die Geschichten der Bibel überhaupt nicht mehr gegenwärtig waren. Aber auch wenn man mit heutigen Jugendlichen spricht merkt man, dass auch der Islam irgendwie in die Köpfe der jungen Menschen kommt, was bei dem Anteil der Menschen dieses Glaubens bei uns nicht verwunderlich ist.
Created07/03/2026edited once Lenchen66 yrsAber genau das sage ich doch, lieber Franz. Auch wenn die Menschen in der DDR vierzig Jahre lang nicht mit den biblischen Geschichten in Berührung kamen so ist doch die Gedankenwelt aus der christlichen Kultur hervorgegangen und nicht im luftleeren Raum entstanden. Die Grundidee des Kommunismus/ Sozialismus ist ebenso im westlich christlich geprägten Kulturkreis entstanden. Auch der gesellschaftliche Umgang und das Denken ist in Ost und West ähnlich.
Lenchen66 yrsWie stark die Prägungen und auch die Außenansicht auf die Gruppen sind wird deutlich, wenn wir die nächste Gruppe, die nach Europa eingewandert ist betrachten. Die Sinti und Roma wurden seit dem 11. Jahrhundert durch afghanische Eroberer in ihrer Heimat im heutigen Pakistan versklavt und vertrieben.
Seit dem 14. Jahrhundert sind sie in Mitteleuropa nachzuweisen.
Ursprünglich durch kaiserliche Schutzbriefe geschützt nahmen sie die christliche Religion, allerdings vermischt mit älteren Glaubenslehren, an. So ist zum Beispiel die "Schwarze Sara" eine Verkörperung der indischen Gottheit Kali.
Kulturelle Bildung ist wie in vielen Gruppen mit Versklavungseinflüssen durch mündliche Überlieferung und Musik geprägt, nicht durch Schrift.
Jeder kann sich klar machen, was das bis heute für die Außensicht auf jüdische Deutsche und Bürger mit Vorfahren aus der Gruppe der Sinti und Roma bedeutet. Das ändert nichts an der Tatsache, dass beide Gruppen gleichermaßen durch unsere Vorfahren im dritten Reich systematisch ermordet wurden.
K*******uWenn diese Erkenntnisse die ich mit dir teile, Lenchen, doch auch nur ein bißchen auf die Moral einfluß hätten, besonders auf die unserer sog. Eliten. Ich kann es da nicht lassen von der Geschichtsbetrachtung mal zum Aktuellen über zu gehen. Diese Woche saß bei Frau Maischberger u.a. Herr Maschmeyer im Studio, der durch Kumpanei mit der Schröder-Adminstration ein Superreicher geworden ist und weil er für unseren Staat keine Steuern zahlen mag in der Schweiz angesiedelt ist.
Es ging in der Talkshow nun nicht darum, sondern um seine Famlie welche zur Zeit die in der Kriesenregion einen Urlaub verbrachte und man hätte da viele andere Leute auch ins Studio holen können. Ich konnte es nicht aushalten und habe nach kurzer Zeit des Smalltalks mit diesem Menschen umgeschaltet. Es ist eine Unverschämtheit das solche Leute uns sogar in den öffentliche.rechtlichen Medien immer wieder vorgesetzt werden, das sind doch keine Vorbilder !
Lenchen66 yrsLieber Franz, auch wenn es noch nicht so deutlich wird ist meine Betrachtung der Entwicklung sehr auf das Heute bezogen. Unser Nationalismus und auch Antisemitismus oder der so ganz andere Antiziganismus lässt sich nur historisch verstehen. Und nur was wir wirklich verstehen können wir auch ändern.
Das trifft übrigens auch für den Hass auf queere Menschen, den wir ja schon fast als naturgegeben ansehen, zu. Es gibt Kulturen, die das ganz anders sahen. Einige von den afrikanischen haben an der Stelle aber leider das europäische Denken übernommen und übersteigert.
K*******uEs mag sein, dass es gut ist wenn wir wissen woher dieses Denken kommt, Lenchen, aber ich muss gestehen, etwas mehr würde mich interessieren, wo es hinführt wenn man auch im eigentlich noch ziemlich seriösen öffentlich-rechtlichen Fernsehn keine moralischen Grundsätzen mehr hat und uns Leute quasi in einer Vorbildstellung präsentiert von denen Du und ich nicht einmal einen Gebrauchtwagen kaufen würden, oder liege ich da falsch ?
Lenchen66 yrsDu weißt, dass ich genau aus diesen Gründen keine Talkshows schaue.
Auch die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten arbeiten nach der kapitalistischen Verwertungslogik, den Einschaltzahlen. Damit ist sie ein Spiegelbild unserer Dummheit und unserer Klugheit.
Das sieht man ja auch an Satirikern wie Dieter Nuhr, dessen patiarschaliche Haltung ich absolut nicht komisch finden kann. Aber es gibt eben auch Menschen wie Sarah Bosetti.oder Claus von Wagner.
K*******uWas die Satiriker und Kabarettisten angeht sehe ich das auch wie Du, Lenchen, Nuhr tue ich mir auch schon lange nicht mehr an, leider hat Volker Pispers es vor ein paar Jahren aufgegeben politisches Kabarett zu machen, den habe ich auch mehrmals live erlebt, sein "wovor haben Sie Angst?" ist immer noch legendär. Auch Dieter Hildebrandt, den ich im Alter noch mal hier bei einer Lesung live erleben durfte, ist für mich unvergessen.
Created07/03/2026edited once Lenchen66 yrsMit Volker Pispers war ich in der Studiobühne an der Uni Münster. Wir haben ein Stück von Moliere auf die Bühne gebracht. Gut vierzig Jahre her, dabei bin ich doch erst knapp über dreißig...
Lenchen66 yrsNein, ich hatte nur eine kleine Nebenrolle, was mir auch mehr entsprach. Volker Pispers ist ein sehr netter, warmherziger Mensch.
Created07/03/2026edited once Lenchen66 yrsJetzt haben wir mit den europäischen Völkern, den Juden und Sinti und den Muslimen die wesentlichen Gruppen beisammen.
Jetzt geht es darum, die Ideen zu betrachten.
Bis etwa 400 nach Christus war die Welt geprägt vom römischen Reich, dass viele Kulturen und altes Wissen in sich vereinte. Die Stabilität der Gesellschaft war bedingt durch ein allgemein anerkanntes Zivilrecht. Die bildete später, ab der Renaissance, die Grundlage dessen, was wir heute als bürgerliches Recht kennen.
Aber bis es so weit war ging viel Wissen verloren und wurde auch aktiv abgelehnt und zerstört. Es bildeten sich Herrschaftsgebiete heraus. Das Christenrum, in der Spätzeit Roms Staatsreligion, bildete eigene Machtstrukturen. In Kirchen und Klöstern blieb das Wissen um Schrift erhalten, ansonsten ging es verloren, wurde nicht vermittelt.
Für die ausgeübte Macht bedeutete das, dass es zu einem Streit kam, wer die Oberhand hatte. Der Besitzer des Landes durch die Gnade Gottes, der die Leiter der Kirche einsetzen konnte, oder die Geistlichkeit, die die Herrschaft durch Salbung bestätigen konnte.
Unstrittig war die Verbindung von staatlicher und geistlicher Macht, wobei die weltliche Macht lange Zeit für Verwaltungsaufgaben, die ja Schriftlichkeit erforderte, auf Geistliche angewiesen waren.
Gleichzeitig wurde von kirchlichen Stellen viel antikes Wissen willentlich zerstört, da es ja heidnisch sei.
So kam ein wissenschaftsfeindliches Denken in der Gesellschaft an.
Lenchen66 yrsNatürlich sind diese Zusammenfassungen hier nur sehr holzschnittartig und grob zusammengefasst.
Die Menschen nördlich und östlich vom römischen Reich hatten natürlich andere Fähigkeiten und Wissen als die klassische Bildung, die auf schriftlicher Überlieferung beruht. Es fand auch mehr Austausch statt als wir heute denken.
Aber das große verlorene Machtzentrum, dessen Reste noch lange um Konstantinopel/ Istanbul überlebten, war noch lange die Vorlage für Herrschaft, die sich aber auf Herrschaftsgebiete und Gefolgschaften berief. Die Vorstellung von Staaten, die sich an "Völkern" oder "Nationen" oder gar selbstbestimmten Staatsformen lag in weiter Ferne und sind spätere Konstruktionen. Das gilt allerdings auch für die Antike.
So berufen sich noch heute die Franzosen aber auch die Deutschen auf "ihren" großen Kaiser Karl den Großen als Vorläufer ihrer jeweiligen Nation.
Neue Einflüsse auf die Europäer kamen durch die relativ gebildeten Muslime, die wie die Juden ihre heiligen Schriften selber lasen und diskutierten, zum Beispiel in Sizilien und Andalusien hinzu.
K*******uDer Einfluss auf Eurpoa durch Muslime ist doch wohl heute erst richtig groß, Lenchen, zwei Gebiete in Südeuropa, welche Du anführst als geschichtliche Beistpiele, haben m.E. nicht die große Wirkung gehabt, wie die Migrationswellen in unserer Zeit durch die vielen Arbeitskräfte welche wir seit den 60er Jahren zu uns holten und die natürlich ihre Religion mitgebracht haben.
Lenchen66 yrsSie haben einen anderen Einfluss gehabt und waren ganz anders aufgestellt, lieber Franz. Der Austausch, der hier wirksam wurde, war eher auf der Ebene der Bildung und der Toleranz. Während schon kurz nach dem Tod Mohammed der Islam über Andalusien und Sizilien in Europa verbreitete.
In der inneren Entwickelung unterschieden sich der Islam und das Christentum grundlegend. Der Islam sah die beiden Buchreligionen Judentum und Christentum zwar als durch Mohammed überwunden an, tolerierte diese aber. Islamische Gelehrte übersetzten antike Schriften ins arabische und nutzten die Philosophie und die Wissenschaft der Antike.
Das Christentum in der katholischen Kirche war dogmatischer und gegenüber allen Andersgläubigen zunehmend intolerant bis hin zur Verfolgung. Antike Schriften wurden als heidnisch abgelehnt und teilweise vernichtet. Wissen, ging bis auf eine kurze Phase um Karl den Großen ( Karolingische Renaissance ) herum, verloren.
In die Europäische Kultur kam das Wissen über das Wissen, das wir heute als die Grundlage unserer Kultur ansehen, oft nur über die Rückübersetzung aus dem arabischen oder über durch Muslime gesicherte Texte wieder in das Bewusstsein unserer Vorfahren. So ist wohl die Renaissance in Italien ab etwa 1350 nicht ohne den islamischen Einfluss denkbar.
Hier wird wieder einmal deutlich, dass Kultur immer nur durch äußere, neue Impulse angeregt wird, immer im Austausch entsteht.
K*******uIch glaube wir reden über unterschiedliche Dinge, Lenchen ! Die Einflüsse welche Du aus der Geschichte beschreibst auf Wisseschaft und Kunst sind ja nicht Die, mit denen die Menschne bei uns heute ihre Probleme haben. Leider haben wir ja einen wenig toleranten Islam als queere Personen selbst oft kennengelernt, wogegen es bei den christlichen Kirchen, auch bei der Katholischen, ein starkes Umdenken was uns betrifft gegeben hat und auch noch gibt.
Lenchen66 yrsDu erinnerst Dich, dass das Thema, was uns prägt bei dem wie wir Handeln und Denken? Das entwickelt sich aus der Geschichte. Darüber rede ich immer noch.
Das alle drei aus dem alten Judentum hervorgegangenen Tagen in späteren Zeiten sehr frauenfeindliche und patriarchalische Ideen, allgemein als Orthodoxie bezeichnet, entwickelt haben, die sich bis heute auswirken in streng katholischen Ideen, stark pietistisch evangelikalen Ideen, orthodox jüdischem Denken und islamistischen Auslegungen ist eine andere Tatsache.
Lenchen66 yrsNachdem sich das christliche Abendland in der Renaissance wieder für das vermittelt durch den offeneren Islam für die Ideen der Antike geöffnet hatte und der Buchdruck als Kulturtechnik die Gesellschaft ähnlich stark umgewälzt hat wie die Computer- und Internettechnik heute konnten sich neue Ideen entwickeln.
Eine weitere Grundlegende Erschütterung war die Reformation, zunächst als Erneuerung der einen westeuropäischen Kirche gedacht, die aber nach der Orthodoxie und der katholischen Kirche die evangelischen Kirchen hervorbrachte. Es war der Beginn davon die alten Gesellschaftsstrukturen von Adel, Geistlichkeit, städtischem Bürgertum und Bauernschaft zu hinterfragen und aufzulösen.
Was allerdings Tatsache blieb war, dass in den christlichen Ländern die Menschen zum großen Teil nicht schulisch gebildet, lesen oder schreiben konnten, außer ein kleiner Teil der städtischen Bürger, der jüdischen Bürger und der Geistlichkeit.
Created10/03/2026edited twice K*******uIch glaube, weder die Nazi-Herrschaft noch der real existierende Sozialismus haben es geschafft diese Gesellschaftsstrukturen wirklich aufzulösen. Es ist zwar nicht so auf dem ersten Blick sichtbar, aber Kirche, Adel und auch wohlhabendes Bürgertum und eine immer ums Überleben kämpfende Bauernschaft halten sich hartnäckig und das auch nicht nur in Deutschland. Wie meinen immer wir leben in einer so fortschrittlichen Gesellschaft, aber was das Erhalten von eigentlich überholten Strukturen angeht, sind manche Menschen unheimlich trickreich und geschickt im Tarnen !
Created10/03/2026edited twice Lenchen66 yrsGenau darum geht es mir.
Im Unterbewussten sind alle Denkstrukturen durch tradierte Einflüsse geprägt überall auf der Welt.
Das prägt jüdisches und gesamt gesellschaftliches Denken in Europa auf verschiedene Weise. Was das für die Gesellschaften menies Erachtens nach bedeutet wird noch deutlich werden.
Das jüdische Leben ist außer durch Alphabetismus noch geprägt durch Abgrenzung aufgrund der Religion und aufeinander angewiesen sein auch ohne territoriale Grenzen. Anfeindungen bedingten schon immer Beweglichkeit und weiträumige Vernetzung.
Der Rest der Bevölkerung hatte keine gemeinsame Sprache oder gar Schrift wie im hebräischen über die Grenzen hinweg. Zwar wurden katholische Messen zwar auch in Latein gelesen, aber diese Sprache lernte nur eine kleine Elite.
Lenchen66 yrsNeben der gemeinsamen hebräischen Sprache gab es im jüdischen Europa und im Mittelmeerraum zwei Gruppen. Die Sepharden entstanden aus den im Zuge der Vernichtung der islamischen Staaten in Spanien vertriebenen Juden mit eigener Sprache und Ritus.
Demgegenüber gibt es die Aschkenasim, die deutschsprachigen Juden, die durch die Pogrome im Zuge der großen Pestepedemien vielfach nach Osteuropa vertrieben wurden.
In der christlichen Welt in Europa haben die Wiederentdeckung antiken Wissens, der Buchdruck und das Bekanntwerden Amerikas zu Auseinandersetzung um das Weltbild geführt. Die Erde rückt aus der Mitte des Universums, die Schwerkraft wird beschrieben und die Kräfte der Natur werden entdeckt.
Der göttliche Wille wird ergänzt durch beschreibbare Kräfte und die Kirche wehrt sich gegen neue Erkenntnisse.
Also auch das Leugnen von Fakten hat Tradition und ist keine Erfindung unserer Zeit.
Die Auseinandersetzung um die Verfasstheit der Kirche führt zum dreißigjährigen Krieg, der die Gebiete der Staaten des heiligen römischen Reiches deutscher Nationen entvölkert und zerstört zurück lässt.
All das führt zunächst zu einer Verfestigung der Adelsgesellschaften in absoluten Herrschaftsformen. Aber Ideen lassen sich nicht einfangen und die kleinen gebildeten Schichten diskutierten neue Weltsichten.
Lenchen66 yrsUm Mal die kulturellen Voraussetzungen einzuordnen bewerte ich Mal die unterschiedlichen Gruppen.
Die Muslime befinden sich im osmanischen Reich auf dem Höhepunkt ihrer Macht in Europa. Der Alphabetisierungsgrad war auch unter Männern gering.
Die Christenheit war stark aber zersplittert in viele Länder/ Herrschaftsgebiete. In Deutschland waren die Menschen eher Hesse oder Bayer als Deutscher. Der Alphabetisierungsgrad war gering, auch wenn es in den Städten Schulen gab.
Bei jüdischen Menschen war Bildung der Schatz, den man auch in der Vertreibung mitnehmen konnte, also überlebenswichtig.
Die Sinti und Roma waren meist fahrende Handwerker und Händler und größtenteils Analphabeten.
Ausgehend vom städtischen Raum bildete sich seit dem Mittelalter das Bürgertum aus, dass zur Teilhabe drängte. Aber es galt weitgehend die Regel, dass die Kinder das wurden was auch die Vorväter waren.
Die Ausnahme waren hier die jüdischen Menschen in der Verfolgung und der notwendigen Beweglichkeit um dem Druck auszuweichen.
Lenchen66 yrsIch weiß, ich stelle Eure Geduld auf eine harte Probe, aber ich denke, nur so kann ich deutlich machen wie es zu dem in ganz Europa zu so extremen Rassismus und Antisemitismus kommen konnte.
Mit der Reformation, der Renaissance und der Gegenreformation wurden die Herrschaftsverhältnisse immer komplizierter. Aber die Adelsherrschaft hielt sich trotz Bauernkriegen und zum Beispiel in Italien Stadtrepubliken weitgehend, verfestigte sich sogar im Absolutismus.
Aber in der Philosophie und Wissenschaft wurden andere Ideen diskutiert. Für die breite Masse wurde aber durch den Herrscher entschieden und dies wurde auch von allen, gestützt durch die Kirchen, getragen.
Wichtig ist hier zu sehen, dass in Herrschaftsräumen gedacht wurde, nicht in Völkern.
Selbst die französische Revolution wurde als europäische Idee gesehen. Der Code Napoleon hatte großen Einfluss auf bürgerliches (Zivil)recht und die Rechtsstaatsbildung.
Allerdings setzten demokratische Strukturen einen fest umrissenen Staat voraus. So kam über den Kulturraum und gemeinsame Sprache sowohl in der Abwehr der revolutionären Ideen als auch in deren Durchsetzung die Idee der Nation oder des Volkes ins Spiel.
Diese Idee ist erst einmal nicht schlecht. Nur die Übersteigerte Auslegung, also das ins absolute setzen, ist wie bei allen Ideen, gefährlich.
Lenchen66 yrsDer Nationalismus entwickelte sich allerdings erst nach der ersten Erschütterung der europäischen Herrschaftsstruktur durch den Krieg Napoleons und Frankreichs. Die zunächst noch von der Republik zur Verbreitung der Volksherrschaft und des bürgerlichen Rechts geführten Kriege entwickelt sich spätestens seit der Krönung Napoleons zum reinen Ringen um die Vorherrschaft im Sinne der Nation Frankreich.
Der Zusammenbruch des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nationen markiert den Beginn des Zerfalls von übernationalen Herrschaften, die wir heute noch Vielvölkerstaaten nennen. Diese waren allerdings bis mindestens 1848, eher 1918, noch vorherrschend wie in Österreich-Ungarn, im Osmanischen Reich oder dem Russischen Reich.
Die Herausbildung der Kulturnationen, die uns heute so geradlinig erscheint war dies nicht. Ich verweise hier auf die sogenannte kleindeutsche oder großdeutsche Lösung. Deutschland mit Österreich oder ohne, die Frage Polens und ähnliches. Immerhin waren die österreichischen Kaiser die Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nationen gewesen und die Deutschen Reichsinsignien liegen in Wien.
Aber das sind für unser eigentliches Thema nur ergänzende Details.
Auf die Ideengeschichte gehe ich in einer weiteren Antwort ein.
Lenchen66 yrsFeindlichkeit gegen Juden und anderen als fremd empfunden Menschen gab es immer. Die Gründe ändern sich im Lauf der Zeit.
Sinti und Roma und andere nicht sesshafte Gruppen galten als Diebe.
Jüdische Menschen wurden als Mörder von Christus verunglimpft und bei Epidemien als Brunnenvergifter verdächtigt und vertrieben.
Mit der Zeit der Aufklärung und auch durch Einfluss von jüdischen Bürgern verlagerte sich die bis dahin meist durch kirchliche Einrichtung vermittelte allgemeine bürgerliche Bildung in den Städten auf die städtischen Strukturen.
In Berlin ist insbesondere der Name Moses Mendelssohn zu nennen und seine Nachkommen.
Auch etwa ab dieser Zeit bildet sich ein liberales Judentum heraus oder jüdische Menschen assimilieren sich und lassen sich taufen um bürgerliche Rechte zu erhalten.
Gleichzeitig entwickelt sich die Idee von verschiedenen Rassen. Was sich auch durch die Assimilation ändert ist die Bildungsfreundlichkeit in den Familien, die die Mehrheitsbevölkerung nicht hat und lebt.
Nur langsam bildet sich eine Schicht heraus, die die Möglichkeiten der Bildung erkennt. Als es überall in Europa zum streben auch nicht jüdischer Menschen zur allgemeinen Hochschulbildung außerhalb der Kirchen und zur Nationalstaatsbildung kommt treten die Völker schnell in Konkurrenz zu den jüdischen Studierenden, die am Beginn der Entwickelung überproportional zur Einwohnerzahl in den Universitäten eingeschrieben waren.
Gleichzeitig waren einige wirtschaftlich erfolgreiche Juden sichtbar und wurden von den sich bildenden Arbeiterorganisationen mit dem Kapitalismus gleichgesetzt. Dadurch entwickelte sich das, was wir heute als linken und rechten Antisemitismus empfinden gleichzeitig, was insbesondere Götz Aly in seinen Büchern benennt und verständlich formuliert.
Ich ergänze für mich mit der Übernahme von Darwins biologischen Theorien auch in den politischen und sozialen Raum auch schon vor der Herausbildung faschistischen Denkens in den europäischen Nationen war die Grundlage für die späteren durch Menschen gemachten Katastrophen gelegt.
Auch die fast einhellige Unterstützung der durch die Deutschen besetzten Länder bei der Ermordung der jüdischen Bürger und der Sinti und Roma, die erst nach und nach benannt wird, wird so erklärbar.
Die Zuarbeit anderer Nationen macht die Monstrosität und die Schuld der durch die Deutschen begangenen Verbrechen nicht kleiner.
Lenchen66 yrsEine allgemeine Bildung der breiten Masse in den europäischen Nationen entwickelte sich erst mit dem allmählichen Zusammenbruch der Großreiche und in Deutschland im Grunde genommen erst mit dem Zusammenbruch des Kaiserreichs 1918. Bis dahin war die allgemeine Schulpflicht selbst in Preußen weitgehend theoretisch.
Lenchen66 yrsMir scheint, ich bin eine von den wenigen, die sieht, dass wir das Denken unserer Vorfahren zwar als falsch und in die Katastrophe führend erkennen, aber die Mechanismen unseres Denkens immer noch entlang der erlernten Linien fortführen.
Der Nationalismus und die Zuschreibung aller negativer Eigenschaften an Gruppen, die eine andere Religion, ein anderes Aussehen, anders klingende Namen und so weiter haben ist eine Fortsetzung dieser politischen Denkkultur.
Ein Streben nach Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit das nicht alle Menschen einschließt ist keines.
K*******uSo gut wie ich auch mit Menschen unterschiedlicher Herkunft klar komme und so richtig ich Hilfen bei der Integration finde, die Geschichte hilft uns nur wenig finde ich, Lenchen, aber wie Zusammenleben in unserem Land in Zukunft aussehen soll. Da sehe ich große Probleme komme, wenn wir so viele Menschen haben, die mit unserer Kultur nur wenig anfangen können und Kontakt nur mit Leuten haben welchs zu ihrer Religion und Sprache gehören. Wie man da Fortschritte schaffen kann weiß ich nicht
Lenchen66 yrsDie Menschen, die hier geboren werden haben genug Berührung mit unserer Kultur. Wenn sie die selben Chancen bekommen werden sie nicht in Parallelgesellschaften bleiben.
Integration ist keine Einbahnstraße.
Aber solange wir Zweisprachigkeit nur schätzen, wenn die zweite Sprache Englisch oder Französisch, eventuell auch Spanisch, aber da wird es schon umstritten, ist aber Türkisch, Arabisch oder Griechisch als Unfähigkeit auch Deutsch gut zu sprechen gesehen wird ist keine Bereitschaft zur Integration bei der Mehrheitsgesellschaft gegeben.
Created20/03/2026edited once K*******uAlso ich bin leider kein großes Sprachtalent, fühle mich bei Englisch fast schon überfordert, Lenchen, und bei den von Dir genannten Sprachen erst Recht. Ich glaube es wäre ein bißchen zu Viel von den meisten Menschen hier verlangt, von arabisch bis türkisch fremde Sprachen zu lernen und das können Migranten auch wohl nicht von uns verlangen.
Wenn ich das so von den Kanaren kenne, wo ja auch viele Deutsche Betriebe haben, da erwartet man bei Behörden und in der Wirtschaft dort schon das Diese spanisch lernen. Ich denke auch in Deutschland muss man es mit dem Entgegenkommen in dieser Hinsicht nicht übertreiben und man kann schon erwarten, dass wer hier leben möchte auch unsere Sprache wenigstens nach seinen Fähigkeiten lernt.
Es geht doch nicht darum, dass die meisten Menschen bei uns nicht wriklich gut mit Migranten auskommen möchten, was wie Du richtig sagst keine Einbahnstraße sein sollte, aber dies wird auch unserer Seite nicht immer leicht gemacht und diese übertrieben weit offenen Arme, welche oft von meistens linker und grüner Seite von uns gefordert werden, führen m.E. eher zur Verärgerung als zur Hilfsbereitschaft und bringen Manche vielleicht auch zu dem dummen Gedanken mal AfD wählen zu können.
Created20/03/2026edited 4 times Lenchen66 yrsLieber Franz, davon hat auch kein Mensch geredet. Aber zweisprachige Kinder mit Deutsch und Englisch gelten als intelligent, zweisprachige Kinder mit Deutsch und Türkisch als minderbemittelt.
Das ist dumm und rassistisch, von uns, nicht von den zweisprachigen Kindern jeder Sprachkombination.
K*******uSo wie Englisch in unserer modernen Gesellschaft bevorzugt wird und es große Unternehmen gibt, welche diese Sprache von ihren Mitarbeitern schon als Umgangssprache fordern befürchte ich, dass diese Kinder in Zukunft eher eine Kombination von 3 Sprachen gebrauchen werden, Lenchen ! Die schöne deutsche Sprache ist ja leider immer weniger gefragt. Für die herrlichen Gedichte, die wir noch in der Schule lernten, haben heutige Generationen ja schon keine Zeit mehr. Was aus Deinem Beitrag den ich angesprochen hatte aber herausklingt ist, dass wir uns nicht genügend um Migranten kümmern.
Das ist, was ich etewas anders sehe. Ich finde es ist eher umgekehrt, viele Migranten kümmern sich zu wenig um die Kultur der Menschen zu Denen sie gekommen sind. Ich sehe bei uns Menschen wie Dich, welche trotzdem auf die fremden Menschen zugehen möchten, aber auch Viele bei uns die eher verärgert sind wenn sie Migranten sehen. Es ist inzwischen ja so, dass selbst in kleineren Städten abseits der Metropolen eine Mehrheit auf der Straße oft Menschen sind deren Sprache wir nicht verstehen und die sich lautstark unterhalten oder ins Handy brüllen.
Created21/03/2026edited once Lenchen66 yrsBei dem Brüllen ins Handy höre ich alle Sprachen einschließlich Deutsch und Englisch. Diese Unsitte hat wohl eher mit dem Einzelnen zu tun als mit der Herkunft der Vorfahren.
Ich sehe die Ursachen auch nicht alleine auf der Seite der hier Wohnenden, aber ich sehe die Anteile.
Der Schüler kann seine Herkunft nicht ändern, aber der Lehrer hat die Wahl, ob er die Leistung sieht.
Ich sehe auch, dass Männer bei Zurückweisung durch die Mehrheitsgesellschaft aggressiver reagieren und junge Frauen sich eher dazu neigen, sich noch einmal mehr anzustrengen.
Aber hier drehen wir uns im Kreis.
Du bist der festen Überzeugung, viele der migrantisch gelesenen Menschen, die hier leben sind nicht fähig oder Willens zur Demokratie und haben gefälligst alles an anderer Kultur abzulegen oder nur noch privat zu leben. Ich übertreibe hier bewusst, um klarer verstanden zu werden und sehe, dass Du nicht so extrem schwarz-weiß denkst.
Meine Grundüberzeugung und Erfahrung ist, dass Menschen, denen immer wieder gesagt wird, Du bist anders und das ist schlecht, mit Rückzug oder Aggression reagieren.
Genau diese Botschaft war die meiner Eltern mein Leben lang an mich weil ich so anders war als der geliebte Kronprinz, mein älterer Bruder. Ich habe mich lange als klug, aber hysterisch, als unmännlich und damit weniger wert, angesehen. Ich kenne also die Macht von Zuschreibungen, sei es durch die Eltern, die Lehrer oder die Gesellschaft.
Menschen sind wenn sie geboren werden weder gut noch schlecht, die Gesellschaft macht sie zu dem was sie sind.
Daher ist es wichtig gerade den Kindern von Anfang an offen und ohne Vorurteile zu begegnen. Andere Kulturen sind und waren schon immer eine Chance und Bereicherung. Wenn wir diese als Bedrohung sehen ist das nur unsere eigene Angst und Unsicherheit.
So haben unsere Vorfahren gerade die jüdischen Menschen, die Lesen konnten und kulturell beweglicher waren ja nach eigenen schriftlichen Aussagen in fast allen europäischen Ländern als überlegen empfunden und sie genau deswegen von bestimmten Berufen ausgeschlossen, auch schon vor 1933.
Ich weiß, dass unsere muslimischen Mitbürger nicht so gesehen werden und der Vergleich deswegen nicht ganz passt. Aber so wie die jüdischen Menschen immer noch von vielen mit dem Kapital und einer weltweiten Herrschaftsclique gleichgesetzt werden wollen alle Muslime nur Frauen unterwerfen und die Scharia einführen, da der Islam ja moralischer als die gottlose deutsche Gesellschaft ist.
Ich zweifele nicht an, dass es auch hier Muslime gibt, die solche Gedanken haben, aber es ist mit ziemlicher Sicherheit nicht die Mehrheit der hier lebenden Muslime.