"Queer" oder "Schwul"

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K*******u
Aus meanner.media:

Klar gegen das Label „queer“

Jens Spahn (CDU) findet klare Worte für seine sexuelle Identität und zieht eine scharfe Trennlinie zur aktuellen Gender-Debatte. „Ich bin schwul, nicht queer“, stellte er gegenüber der Wochenzeitung Die Zeit klar. Seine Kritik richtet sich vor allem gegen die politische Aufladung des Begriffs: Wer mithilfe des Labels „queer“ alles zu einer Frage der Selbstdefinition erkläre, stelle laut Spahn die gesamte Emanzipationsgeschichte infrage.
„Homosexuell“ ist ihm zu steril

Aber nicht nur mit dem modernen „queer“ kann der Unions-Politiker wenig anfangen. Auch vom Begriff „homosexuell“ distanziert sich Spahn deutlich: „Homosexuell, das klingt für mich furchtbar. Steril.“ Er berichtete von einer Ansage an seinen Vorgänger als Fraktionschef, Volker Kauder: „Ich möchte von dir nie wieder homosexuell genannt werden.“ Spahn bevorzuge stattdessen den Ausdruck „schwul“. Das Wort strahle für ihn offenbar mehr Lebensrealität und weniger medizinische Diagnose aus.


Ich bin zwar kein Freund von Spahn, aber das sehe ich ähnlich.
edited once
P*******u
Spahn ist eine Perso non Grata, Queer einfach ein Sammelbegriff für verschiedene Ausrichtungen, unter anderem Schwule. Wir sollten uns nicht zu wichtig nehmen.
K*******u
Da hast Du natürlich Recht was den Begriff angeht, KuschelMusc, zur Person Spahns möchte ich lieber nicht schreiben. Was "Queer" angeht ist meine Erfahrung in unserer hiesigen Gruppe eher, dass der Begriff "schwul" seit man den Sammelbegriff hat weniger gebraucht wird und sich das was wir jahrelang unterstützt habe, dass "schwul" im positiven Sinne vom Schimpfwort her kommend umgedreht wurde, doch wohl nicht so gut gelungen ist. Das was ich so höre deutet m.E. darauf hin.
U*****m
Mir ist das eigentlich schnuppe, ob es Homo, Schwuler, Hetero usw. genannt wird. Beinah jede Art der Sexualität ist in Ordnung, wenn sie respektvoll und im gegenseitigen Einvernehmen stattfindet. Ausnahmen gibt es im Bereich der Tiere, der Leichenschändung oder bei Minderjährigen oder ähnlichen in Gesetzen geregelten Verboten.

Ich selbst bin eher bisexuell und deshalb von Schwulen auch schon beschimpft worden. Nur Schwule wollen selbstverständlich anerkannt und nicht diskriminiert werden. Denselben Anspruch habe ich auch und erwarte auch, dass er anerkannt wird.

Heute ist die Gesellschaft in Mitteleuropa in ihrer Aufklärung toleranter als vor 50 Jahren. Trotzdem diskutieren wir immer noch über solche Belanglosigkeiten. Leben und Leben lassen wäre schon mal ein Anfang der Toleranz allen Menschen untereinander.

Wenn ich in meiner frühen Jugend überhaupt aufgeklärt gewesen wäre, dann hätte sich sicherlich meine Sexualität anders entwickelt. Das ist ein Vorwurf an meine Eltern und an die gesellschaftlich Zwänge in der alten DDR. Nun ist es wie es ist und ich stehe dazu.
P*******u
Bicolar
Genau deshalb finde das Wort Queer wichtig, wir brauchen ein Wort, das alle einschließen kann, keine ewig lange Aufzählung und weniger Aufsplitterung in viele Gruppen, seine Peer Group kann trotzdem jeder haben, und Vereine gründen etc. Die sind wichtig.

Ich wurde als Hetero erzogen, es ist auch nicht so, dass mich Frauen abstoßen. Sex funktioniert bei mir nur mit passenden Männern. Wie kann es mit Erziehung zu tun haben? Ich lasse mich so wenig umpolen wie ein Heterosexueller oder Bisexueller.
K*******u
Die Frage ist, führt nicht gerade so ein Sammelbegriff zu mehr Aufsplitterung, KuschelMusc ? Das wir uns nicht gegenseitig beschimpfen sondern zusammen kommen, egal wie wir sind in dem Bereich den man schrecklich schwierig für Außenstehende auch mit LGBT und noch mehr Buchstaben dahinter bezeichnet, die ich auch nicht mehr zusammen bekomme, hat in den Gruppen die ich kenne doch meistens auch ohne neue Worte oder Sammelbegriffe zu suchen funktioniert.

Ich hab nichts gegen den Begriff Queer und ich akzeptiere Jeden so wie er sich versteht und wie er sich benennen will, aber man sollte auch darauf achten das man die Mehrheits-Gesellschaft nicht mit immer neuen und erklärungsbedürftigen Bezeichnungen überfordert. Feinde haben wir genug die das ausnutzen könnten um uns zu schaden.

Loriot "Jodeldiplom" mit dem die Dame meinte "etwas Eigenes" zu haben, war eine geniale Satire auf dieses übersteigerte Selbstbewußsein was man oft in unserer Gesellschaft sieht, exzentrisch kann auch liebenswert sein, zu sehr vor sich hergetragenes Selbtbewußsein stößt eher ab, weil es da nur um Egoismus geht.
edited twice
E*******e
@bicolor: Du hhast meinen vollen Respekt als Bisexueller. Keine andere Form der sexuellen Ausrichtung ist glaube ich schwieriger zu leben, als deine. Zumindest dann nicht, wenn das Umfeld nicht sehr tolerant ist.

Aber wie meinst Du das, dass sich deine Sexualität anders entwickelt hätte, wenn Du aufgeklärt worden wärst? Glaubst Du, dass Du dann schwul wärst?
U*****m
@oldielove
Danke für deine Antwort.
Ich wusste als Kind und als Jugendlicher nichts über Ausprägungen der Sexualität. Weder war mir klar, warum es Männlein und Weiblein gibt, noch hat mir irgendjemand erklärt, wieso wir unterschiedlich aufgebaut sind. Zu meinem Stiefvater hatte ich kein Vertrauen, meine Mutter sagte nur, das hat die Natur so eingerichtet, wenn es so weit ist, würde ich es verstehen. Alles Rätsel. Natürlich konnte ich Tiere beobachten und meine Schlüsse ziehen, doch noch schlimmer fühlte ich mich in meiner Unwissenheit und in der Pubertät, weil ich mich nicht zu Mädchen hingezogen fühlte, sondern eher Jungs beobachtete (Beim Schwimmen, auf öffentlichen Toiletten, unter der Dusche usw.). Niemand erklärte es mir und ich fühlte mich krank und abartig.
Schon früh habe ich masturbiert, onaniert, gewichst. Immer heimlich und mit der Angst, entdeckt zu werden. Mit Sicherheit hat meine Mutter meine Nöte erkannt, sagte aber nichts. Erst als ich schon über 30 war fragte ich sie sehr konkret, warum sie sich von meinem leiblichen Vater hat scheiden lassen. Inzwischen wusste ich um meine sexuelle Orientierung. Sie sagte, dass mein Vater im Krieg und auch danach mit Männern Sex hatte und sie dazu Liebesbriefe gefunden hatte. Du kannst dir vorstellen, wie das alles auf mich gewirkt hatte; Kopfkino und Unverständnis, dass sie mich so lange im Unklaren gelassen hatte. Du musst aber wissen, dass mein leiblicher Vater nie Kontakt zu mir hatte, ich also nie mit ihm darüber sprechen konnte.
Die Lebensumstände unter eher einfachen Verhältnissen und viele Konflikte in der Zweitehe meiner Mutter haben es mir seelisch nicht einfach gemacht. Das wirkt alles nach. Außerdem war es schwierig Informationen zu bekommen. Mitte der sechziger Jahre hatte ich dann erste sexuelle Kontakte mit einem Mitschüler. Dann kam aber auch ein Mädchen aus meiner Klasse, welche sehr intensiv um mich geworben hat. Wir hatten Sex mit ca. 17 und ich war hin- und hergerissen. Während des Studiums und dann immer wieder auch anonymer Sex mit Männern. Alles ohne Austausch und Hilfe um zu verstehen, was mit mir los war. Ich heiratete dann meine jetzige Frau. Erst nach ungefähr 20 Jahren Ehe habe ich ihr meine Nöte gestanden, weil ich mich immer wieder heimlich mit Männern traf. Zum Glück konnten wir uns einigen und leben immer noch zusammen.
K*******u
Danke, das Du hier in unserem Forum Deine Geschichte erzählst, bicolor ! Auch wenn ich nie Sex mit Frauen gehabt habe, also wohl zu den "nur Schwulen"gehöre, finde ich Punkte in Deiner Erzählung, die sehr ähnlich mit Dem sind was ich erlebt habe. Ich war mir bis so um die 20 bzw. bis zur Bundewehr-Zeit auch nicht im Klaren wohin ich gehörte. Hab immer noch gedacht, dass bei mir doch noch das Interesse an Frauen kommt. Meine Mutter war allein Erziehende und meine Vater habe ich nie kennegelernt, Aufklärug gab es auch nicht. Als ich 22 war verstarb meine Mutter bevor es zu einer Gelegenheit gekommen wäre, über meine Nöte zu sprechen und bei der Bundeswehr mußte man sich damals sowieso total mit so Etwas zurück halten.
Lenchen66 yrs
Es ist klar, dass ich zu den Begriffen queer und schwul eine eigene Haltung habe, die hier allerdings auch schon angesprochen wurde.

Queer ist im englischen Raum genau so vom Schimpfwort zur selbstbewussten Selbstbeschreibung geworden, ähnlich wie der Begriff gay.
Beide Begriffe waren allerdings schon immer umfassender als schwul oder lesbisch im Deutschen.

Einen so offen gelesenen Begriff wie queer gibt es im Deutschen nicht, also finde ich das Lehnwort hilfreich.

Ich sehe auch nicht, wie ein einschließender Begriff spaltend und teilend wirken sollte. Teilend wirkt alleine das persönliche Werten und Denken.

Worte werden mit Bedeutung aufgeladen und sind erst einmal wertfrei.

Kein Mensch spricht einem Schwulen sein Recht auf Selbstbeschreibung ab, indem jemand die Bezeichnung queer wählt. Durch die Verwendung des Oberbegriffs wir nur die Zugehörigkeit von schwulen Männern, und hier wird in der Abwehr die Männlichkeit betont, zu der Gruppe der ebenso von Ausgrenzung betroffenen lesbischen, inter und trans Menschen benannt.

Ich habe noch nie von einer Diskussion gehört, dass der Begriff queer die Gruppe der lesbischen Frauen unsichtbar mache. Nur schwule Männer haben Angst, dass ihre schwule männliche Identität weniger wichtig, als eine unter vielen menschlichen Identitäten wahrgenommen werden könnte.
K*******u
Es ging mir nicht darum, wie schwule Männer den Begriff aufnehmen, allerding wird es auch da nicht Wenige geben, die eben nicht in den Gruppen und beim CSD dabei sind, die sich fragen, warum sie mit einem Mal "Queer" sein sollen und viele Heteros werden den Kopf schütteln wenn "schwul" nun "queer" heißt.

Da ist das alte, belastete Wort "homosexuell, was ja auch ein Oberbegriff ist, sicher noch bekannter und verständlicher.Ich persönlich möchte auch lieber ein Homo als ein queerer Mensch sein, warum ich "Queer" sein soll macht für mich keinen Sinn und ob und wie die Engländer den Begriff verstehen weiß ich nicht. Ich sagte schon, ich habe nichts gegen den Begriff an sich, aber persönlich für meine Bezeichnung gefällt er mir nicht.
edited twice
Lenchen66 yrs
Noch einmal: Queer soll und kann und soll schwul oder homo nicht ersetzen.
Nicht nur die Engländer sondern auch die anderen Sprachen, die den Begriff nutzen sehen ihn als Oberbegriff an.

Ich bin trans, schwul, queer und alles das widerspricht sich nicht.sondern queer schließt alles ein, trans oder schwul geht auf das einzelne ein.
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