Wie sichtbar sind wir?

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7 answers in this topic
Lenchen66 yrs
https://taz.de/Queere-Debatten/!6181669/

Auch wenn ich langsam das Gefühl habe, ich dominiere das Forum auf für mich unangenehme Weise, setze zu viele Themen möchte ich mal eine alt Diskussion wieder aufleben lassen.

https://taz.de/Queere-Debatten/!6181669/

In dem TAZ-Artikel wierden zwar die Rollenbilder in lesbischen Paaren thematisiert, aber uns allen fallen da sofort auch schwule Beispiele ein.

In den späten achtziger und frühen neunziger Jahren gab es da die Kampagne "We are family" die die Tunte neben dem Lederkerl und dem Transvestiten und auch dem heteronormativ auftretendem Schwulen zeigte.

Zunehmend ist dann aber der wenig auffällige, angepasste, sich ins Privatleben zurück ziehende Schwule als Idealbild innerhalb einer neoliberalen Gesellschaft gefördert worden.

Andere Formen und Ausdrücke wurden nur noch an CSDs sichtbar und toleriert. Aussagen wie: "Ihr habt doch jetzt alle Rechte. Jetzt sid doch nicht mehr so provokant." wurden nicht nur von der Mehrheitsgesellschaft gestellt sondern kursieren auch innerhalb der Gemeinschaft.

Ich halte das für gefährlich. So tragen wir in vorauseilendem Gehorsam die Rolle Rüchwärtsnin der Gesellschaft mit oder treiben sie sogar voran.

Menschen wie Jens Spahn oder Alice Weidel sind nicht nur positiv zu werten für die gesellschaftlich Teilhabe queerer Personen.
K*******u
Ich sehe das ähnlich wie Du, Lenchen ! Um mit dem Schluß Deiner Betrachtung anzufangen. Ich denke auch, dass dieser "Fortschritt", dass Menschen wie Frau Weidel oder Jens Spahn genau so wenig wie Politiker anderer Richtungen oder auch die vielen anderen Promis, die zu ihrer Homosexualität stehen, für die übrige Queere Family nicht eine solche große Hilfe sind wie man es vor Jahren mal gedacht hatte. abgesehen davon das die beiden erstgenannten Politikern sowieso nicht zu Denen gehören von Denen ich irgend Etwas erwarte.

Wa die Vielen angeht, die sich mehr oder weniger ins Privatleben zurückgezogen habe und höchstens mal beim CSD in Erscheinung treten, teile ich Deine Ansicht, dass dies nicht ungefährlich ist. Ich würde mir auch mehr Queere wünschen die sich an den vielen Gruppen-Aktivitäten die es ja außer dem CSD noch gibt beteiligen. Ich habe immer noch im Hinterkopf den Satz "Nur gemeinsam sind wir stark ! "
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Lenchen66 yrs
Danke, lieber Franz/ Snoopi-El. Aber ich gehe da sogar noch einen deutlichen Schritt weiter. Für die meisten ist es vollkommen OK, Als Lederkerl oder ganz in Latex im Alltag zu leben, aber mit unklarem, androgynem geschlechtlichem Ausdruck wurde mir schon mehrfach beschieden, ich solle mich doch bitte eindeutig männlich kleiden, ansonsten würde ich die queeren oder schwulen Menschen blamieren. Andere müssten ja annehmen, dass alle so seien wie ich.

Ausgenommen davon, im Gegenteil sogar bewundert sind die so genannten Drag-Queens. Dadurch, dass sie Weiblichkeit überzeichnen und karikieren würden sie ja traditionelle Geschlechterrollen wirklich in Frage stellen.

Ich hingegen bin ein Mann und habe dies gefälligst anzuerkennen. Mein Sein mit einer Geburtsurkunde ohne Geschlechtseintrag und gelebter Weiblichkeit ohne Überzeichnung und Karikatur sei entweder nur lächerlich oder würde das Schwul sein in Frage stellen.

Das ich einfach so lebe wie ich es als für mich entsprechend empfinde darf in den Augen auch vieler queerer Menschen nicht sein und ist widernatürlich.

Besonders skurril in dieser Hinsicht war ein lesbisches Pärchen, die für eine Equality Tanzveranstaltung hier in Berlin zu Besuch waren und die ich in meiner Wohnung beherbergt habe. Die sich männlich mit Anzughose und Krawatte kleidende Partnerin beschied mir vollkommen offen, dass sie ja wohl vollkommen normal sei, aber ein Mann wie ich sei ja einfach nur peinlich. Ich habe sie trotzdem noch bis zum Abschluss des Wettbewerbs bei mir wohnen lassen und sie nicht direkt aus meiner Wohnung verwiesen.
E*******e
Ich frage mich, warum sollten queere Personen sich im Alltag unbedingt als Solche zu erkennen geben? Wenn man einen bestimmten Fetisch hat (z.B. Leder oder Anzug) kann man den ja durchaus ausleben. Bei anderen Vorlieben sollte man schon auch darauf achten, wie das auf das Umfeld wirkt, in dem man sich bewegt. Es gibt aber ja auch viele queere Menschen, die keinem Fetisch anhängen, sondern einfach nur bestimmte Personen des eigenen Geschlechts lieben und keinen Drang haben sich deswegen irgendwie auffällig zu kleiden.

Was Alice Weidel und Jens Spahn angeht weiß man von ihnen, dass sie schwul bzw. lesbisch leben (Das Wort "queer" würde zu den beiden Personen nicht passen.) ansonsten aber ein ganz normales Leben führen.
Dieses Phänomen gibt es ja auch in anderen Bereichen. Wolfgang Schäuble hat sich ja auch nicht, nachdem er durch das Attentat auf ihn, zum Rollstuhlfahrer wurde, in dem Bereich besonders engagiert.
Es gibt also keine Verpflichtung, nur weil man eine besondere Eigenschaft oder Lebensweise hat, sich dahin gehend besonders dafür einzusetzen. Wenn das jemand tun will, ist das vollkommen in Ordnung. Der muss dann aber eventuell mit den Reaktionen darauf leben. Er/Sie hat natürlich das Recht bei körperlichen Angriffen, diese anzuzeigen. Bei verbalen Entgleisungen ist das meines Erachtens nur sinnvoll, wenn ein Zeuge sich bereit erklärt, das zu bezeugen.
Lenchen66 yrs
Du gehst also davon aus, dass trans Menschen, die Männer begehren nicht ganz normal leben?
Die wollen ja nur auffallen und andere verführen, verwirren, betrügen oder was?

Es fordert niemand, dass sich jeder mit einem Schild um den Hals oder sonst irgendwie gekennzeichnet durch die Welt bewegen muss.

Denk doch einmal an die Menschen, die effiminiert auftreten, also gemeinhin als "Tunten" wahrgenommen werden. Müssen die sich kontrollieren und lernen "männlich" zu reden und keine auffälligen Bewegungen zu machen?

Ist es schlimm, wenn ein Mann einen Rock trägt?

Ich habe nirgendwo gefordert, dass queere Menschen auffällig sein müssen. Ich fordere aber, dass sie es sein dürfen.

Das wird aber nicht nur von heterosexuellen Menschen kritisiert. Ich frage mich warum viele nicht mit den auffälligen solidarisch sind.
Lenchen66 yrs
Ich finde es sehr anstrengend, wenn der gute queere Mensch sein queer sein nur im privaten zeigen darf.
oder eben bei CSDs.

Wenn auch heterosexuellen Menschen bei Händchen halten oder gar Küssen in der Öffentlichkeit oder bei dem Vorstellen ihres Partners vorgeworfen wird immer ihre Sexualität in den Vordergrund zu stellen befürworte ich den Rückzug ins private, aber dann bitte für alle.

Der zugrunde liegende Artikel sagt aus, dass Sichtbarkeit im Alltag durchaus politisch und immer noch notwendig ist. Gerade in Zeiten von zunehmenden Übergriffen.
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K*******u
Das mit dem Händchen halten oder Küssen in der Öffentlichkeit ist ein gutes Beispiel. Wenn wir uns das gar nicht oder viel zu selten trauen zeigt das die Ungleichheit deutlich genau so wie die Vorstellung des Partners die eigentlich auch füfr Alle selbstverständlich sein sollte.

Ich habe auch lange gehofft, dass dies kein Thema mehr ist, aber ich muss leider immer wieder feststellen das queer zu sein und in meinem Fall nicht versteckt als Homosexueller zu leben, egal ob der Partner dabei ist oder nicht, immer noch nicht so selbstverständlich ist wie es eigentlich sein sollte,

Peter seine Einstellung klingt mir, auch wenn ich sie verstehen kann, ein bißchen zu defensiv, aber für mich persönlich muss ich auch zugeben, dass ich hier in der nicht sehr großen Stadt nicht dauernd meine sexuelle Orientierung zeige auch wenn ich viele Leute kenn und man davon weiß.
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Lenchen66 yrs
Auch ich zeige sie ja nicht offensiv. Aber ich möchte sie halt selbstverständlich leben können, wenn es denn passt.

Bis das soweit ist, ist ein offenes Leben politisch und notwendig.
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