Demokratie lebt vom mitmachen, oder?

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11 answers in this topic
Lenchen66 yrs
Nicht nur in diesem Forum ist die Tendenz zu spüren, nur noch still mitzulesen ohne sich selbst zu äußern.
Auch in der Gesellschaft und in Bezug auf den Staat wird etwas sichtbar, was mit "Politikverdrossenheit"oder "Protestwählen" für mich nur unzureichend beschrieben wird.

Aussagen wie "Wenn Wahlen wirklich etwas ändern könnten wären sie schon lange verboten" und "Die da oben kennen das wirkliche Leben nicht" oder der Ruf nach einer starken Führung zeigen, dass nicht alle verstanden haben, welche Möglichkeiten aber auch Verantwortung in einem Staat, der zum Mitmachen auffordert enthalten sind.

Dabei gibt es für den einen zu wenige Einflussmöglichkeiten, der andere fühlt sich überfordert von den vielfältigen Problemen, die durch den Staat gelöst werden sollen.

In unserem Staat geben wir bis auf wenige Ausnahmen durch Wahlen, die auch nicht einheitlich (Bundeländer) organisiert sind, für meist vier Jahre die Verantwortung an parlamentarische Vertretungen ab. Wir lassen uns also durch Parteien repräsentieren.

Andere Staaten haben stärkere Elemente einer direkten Einflussnahme durch Volksentscheide und direkte Abstimmung von Einzelfragen.

Beide Grundideen haben ihre Vorteile und Schwächen.

Auch die repräsentative Demokratie braucht Bürger, die sich in Parteien an der Meinungsbildung beteiligen. Es ist wichtig, dass den Bürgern ihre Selbstwirksamkeit bewusst ist. Auch wer sich nicht beteiligt übernimmt damit eine Verantwortung für das Gemeinwesen.

Die direkte Demokratie ist nur in wenigen Fragen wirklich machbar. Wenn jedes staatliche Handeln direkt abgestimmt würde wäre die Gesellschaft handlungsunfähig.
Also sollte diese Form auf grundlegende Fragen und richtungweisende Entscheidungen beschränkt sein.

Wie wünscht Ihr Euch unseren Staat? Wie bringt Ihr Euch ein? Was erwartet Ihr von der Gesellschaft, dem Staat?
Lenchen66 yrs
Ich habe ja schon darauf hin gewiesen, dass auch die Form wie wir Nachrichten und Politik wahrnehmen, auch in dieser Gemeinschaft, unseren Umgang mit der Demokratie beeinflusst.

Die Gefahren und Brüche werden schon seit dem 18.Jahrhundert und den Demokratiebewegungen der Neuzeit diskutiert.
K*******u
Hab ich gerade in dem anderen neuen Thread das etwas niedrige Niveau angesprochen so lese ich hier genau das Gegenteil, Lenchen. Nun ist das was Du schreibst Erstens völlig richtig und Zweitens auch absolut nicht langweilig, Was ich allerdings denke ist, dass die Antwort auf die Frage die du stellst sehr schwierig wird, wenn man nicht mit irgendwelchen Plattheiten anworten will. Eigentlich gebraucht man da zuvor ein kleines Politik-Seminar, was man in unserem kleinen Forum ja so nicht bieten kann. Ich lass wenigstens wegen Mangel an ausreichenden Kenntnissen erst Mal eine Antwort aus, vielleicht können Andere da ja mehr bieten.
E*******e
@Lenchen: Ich wünsche mir vom Staat, dass er uns eine Vielzahl von Möglichkeiten zur Verfügung stellt, gleichzeitig sollte dann jeder Bürger aus den Möglichkeiten die auswählen können, die er/sie für die Richtige für sich hält. Nach dem Motto "Jeder ist seines Glückes Schmied".

Wie bringe ich mich ein? Nun, ich gehe regelmäßig zu monatlichen den SPDqueer-Stammtischhen und nehme jedes Jahr aktiv am CSD teil. Sowohl am Umzug wie auch durch Einsatz am SPDqueer-Stand.
Ich gebe zu, es könnte mehr sein. Aber durch meine Behinderung brauche ich auch meine Erholungszeiten.

Bei deiner letzten Frage, weiß ich nicht genau, wie sie gemeint ist.

Lenchen66 yrs
@oldielove Aber das ist doch schon weitaus mehr als die meisten machen, lieber Peter.
Ich frage mich in dem Zusammenhang, ob Du in der SPD eine ähnliche Selbstwirksamkeit erlebst wie ich vor vierzig Jahren?

@Snoopi-el Lieber Franz, ich finde scheinbare Platituden durchaus wichtig als Diskussionsgrundlage. Wenn wir erst ein Studium bräuchten um uns in die politische Auseinandersetzung zu begeben würde eine Demokratie ja nicht funktionieren. Das kann nicht sein was Du meinst.

Ich weiß, das es bei dem Thema eher um die Frage geht wie die Beteiligung organisiert werden sollte und was das bedeutet. Aber auch das ist doch wichtig.
K*******u
Es ging mir auch um die grundsätzlichen Aussagen , Lenchen, die zu hinterfragen finde ich schwierig, bei der täglichen politischen Auseinandersetzung bin ich ja auch oft dabei, vielleicht habe ich mit "Seminar" da ein bißchen hoch gegriffen.
Lenchen66 yrs
Aber genau das ist es doch, womit die Demokratie hinterfragt wird, das Grundsätzliche.

Wir müssen Formen erklären, in denen die Menschen selber wahrnehmen, dass sie es sind, die die Entwicklung des Staates und der Gesellschaft verantworten.
Und zwar auch, wenn sie nicht wählen:

Wir müssen uns darüber unterhalten, wie wir verhindern, dass schnell veröffentlichte und für Empörung sorgende Ereignisse nicht zu Kurzschlussreaktionen führen etwa in Volksabstimmungen über Menschenrechte und Religionsfreiheit, wie in der Schweiz bei dem Volksentscheid über Minarette.

Um die Demokratie zu stärken müssen wir auch über das wie nachdenken..
K*******u
Meine Frage ist, kann das Jeder ? Was meinst Du, wie viel Staatsbürgerkunde man zu meiner Zeit bei 8 Jahren "Volksschule" mitbekommen hat. In der Berufschule gab es nur Betriebswirtschaftlehre , der "Staatsbürger in Iniform" tauchte dann während meiner Bundeswehrzeit auf und ich muß sagen, dass war nicht das Schlechteste was ich dort mitbekommen konnte. Die nächste Bildungsstufe kam später für mich bei der Behörde, wo ich fast 40 Jahre tätig war und das Übrige brachte mir Engagement und Seminare beim Humanistischen Verband dem ich seit ich Mitte 20 war angehöre.

Ja, es hat auch Zeiten gegeben wo ich nicht wie heute hauptsächlich Unterhaltungsliteratur lese, aber trotztdem finde ich nicht, dass ich in der Lage wäre grundsätzlcih die Demekratie bei uns zu hinterfragen, auch wenn Du Recht hast was die Notwendigkeit angeht, Lenchen, ich denke man kann das nicht so pauschal fordern. Was diesen Volksentscheid in der Schweiz angeht, zeigt der m.E. doch nicht mangeldes Demokratieverständnis sondern nur den Unmut vieler Menschen dort, dass eine fremde, unverständliche und schon gar nicht für Toleranz stehende Religion auch in ihrem Land Fuß gefasst hat, wobei das Minarettverbot sicher nicht die richtige Antwort war, weil man damit auch selbst Toleranz vermissen läßt.
edited once
T*********m
Immerhin hat die Schweiz Volksentscheide. Da wird sich dann aus der Sicht des "großen Kantons" auch schon mal mit Sonderkeiten befasst.
Viele Volkentscheide finden dann bei der Abstimmung keine Mehrheit.
Lenchen66 yrs
Lieber Franz/ Snoopi-el, ich werte bewusst nicht über das Demokratieverständnis.

Ich bin komplett überfordert, wenn ich die Diskussionen über Fußball verfolge. Trotzdem sehe ich, dass sie viele Menschen beschäftigt.

Demokratiefähigkeit wurde im frühen zwanzigsten Jahrhundert auch nicht durch die Schule sondern durch Gewerkschaften und Arbeiterbildung in die Gesellschaft getragen.

Miene politische Bildung erfolgte auch nicht an der Realschule oder während der Ausbildung. Eher im Privaten und als Korrektur von vielem, was ich so aufgechnappt habe.

Schwierig finde ich Deine pauschalen Annahmen zum Islam. Immerhin ist dies die Religion des osmanischen Reiches und deren Vorläufer. Dieser Staat respektierte die sogenannten Buchreligionen des Judentums und Christentums neben dem Islam, der trotzdem Staatsreligion blieb.
Antikes Wissen, dass während des ausgehenden Mittelalters in christlichen Ländern aktiv vernichtet wurde blieb im nahen Osten erhalten und wurde aktiv studiert. In der Zeit waren wir, die christlich geprägten Länder fast durchgehend die religiösen Fanatiker, die heute ein kleiner Teil der muslimisch geprägten Länder sind. Aber der Iran und dessen Unterstützer sind nicht "der Islam". Gebiete wie Albanien, Ägypten, Marokko, Tunesien, Mauretanien, die Malediven, Aserbaidschan, der Kosovo und so weiter gehören zur islamischen Welt.
Diese alle als radikal und potentiell gefährlich zu bewerten halte ich für falsch.

Das ist ungefähr so, als würde ich alle vom Christentum geprägten Länder mit den religiösen Fanatikern der amerikanischen evangelikalen Christen gleichsetzen.

Ich finde, dass Minarettverbot sagt deutlich mehr über die Schweizer als über den Islam aus.
T***b

Du hast wohl recht, Lenchen, dass diese augenblickliche Fußballpower all diejenigen überfordern muss, die sich nicht für diesen Sport interessieren. Ich rechne es dir aber hoch an, dass du nicht von oben herab auf diese bemitleidenswerten Leute schaust, die diesem Primitivsport frönen. Abgesehen davon, hast du es bald überstanden, obwohl dieses „bald“ bei dieser Mammutveranstaltung noch recht lange dauern wird.

Zu dem anderen Thema möchte ich bemerken, dass unabhängig von allen Religionen die Fundamentalisten unter ihnen die größten Abneigungen gegen unsereins haben. Das glaube ich wenigstens.
K*******u
Mit dem letzten Satz sprichst Du genau das an wo wir die größte Sorgen haben müssen, arden ! Es es ist ja leider nicht so, dss der Fundamentalismus abnimmt, sondern gerade die Möglichkeiten der neuen Medien werden von Fundamentalisten und Konservativen besonders gut für die Verbreitung ihrer Ansichten und Vorstellungen genutzt und es scheinen gerade bei den jungen Leute Viele daberi zu sein die darauf anspringen.

Ich habe gerade heute Mittag einen Bericht auf phoenix gesehen, wo mit jungen Amerikanern gesprochen wurde, die der katholischen Kirche beigetreten sind. Sie wollten zu traditionellen Werten zurück und man kann sich vorstellen was dies auch bezüglich ihrer Einstellung zu uns bedeutet. Wenn wir die Auseinandrsetzung von Papst Leo mit Trump auch als eine positives Zeichen sehen, muss man torztdem befürchten, dass viele Katholiken in den USA näher bei Konservativen und Fundamentalisten in Richtung Vance und Trump stehen.
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