K*******uEs kommt der Vorschlag hierfür einen neuen Thread aufzumachen, ich beginne ihm mit Lenchens Beitrag .
Lenchen66 yrsIch erinner daran, dass sich wohl die wenigsten vor dem 9. November 1989 eine deutsche Vereinigung vorstellen konnten.
06/08/2025: Entry made 06/08/2025 deleted
K*******uUnd jetzt ist es manchmal der größte Alptraum wenn man bei den Landtagswahlen dort die Ergebnisse sieht. Ich war gleich nach der Wiedervereinigung beruflich dort und hätte mir nie vorstellen können das man dort eine solche Partei wie die AfD wählt. Wenn ich dann auch noch die Menschen reden höre als wenn sie im schlechtesten Staat den es auf der Welt gibt leben, das kann ich auch wenn ich einige Benachteiligung dort sehe nicht mehr verstehen.
T***bGeht es so langsam, aber sicher auf die 80 zu, dann macht man sich hin und wieder schon Gedanken darüber, wie es denn nun künftig weitergehen könnte. Und selbst auf die Gefahr hin, dass ich damit einige Mitglieder dieser Community aus den neuen Bundesländern verletzen sollte:
In den Osten würde ich nur im äußersten Notfall gehen. Mir dort in einem Seniorenheim von den Altersgenossen täglich anhören zu müssen, wie toll es in der DDR war, wie schrecklich das Leben dagegen jetzt ist und uns nur die AfD aus diesem Jammertal befreien kann, das wäre der absolute Supergau für mich.
Lenchen66 yrsEs wäre schön, wenn es wirklich nur ein Problem in fünf Bundesländern gäbe.
Ja, die Ostalgie, die leider auch an die jüngeren Menschen weitergegeben wurde, ist oft schwer zu ertragen und noch schwerer zu verstehen.
Aber es gibt auch eine lebendige Gesellschaft mit vielfältigen Meinungen, wobei ich schon sehe, dass Berlin da wirklich eine Sonderstellung einnimmt und mehr verbindet als sonst überall in der Republik, egal ob ich in den Osten oder Westen schaue.
Auch die Wessis, die sich als die Kulturbringer par excellence sehen sind für mich nicht besser als die Ostler, die denken, es würde ihnen heute in einer wie auch immer gearteten DDR besser gehen.
Aber alle Polokliniken zu schließen und sie als Arzthäuser oder -zentren neu zu eröffnen war nicht hilfreich, den Palast der Republik abzureißen wegen Asbest aber den asbestbelasteten Koloss ICC unter Denkmalschutz zu stellen, Streckenschließungen bei der Bahn in der Fläche während seit den frührn achtziger Jahren im Westen immer mehr Privatbahnen wirtschaftlich in der Fläche arbeiten weckt auch bei mir kein Vertrauen in das bessere Management im Westen, und ich bin Wessi...
Aber für dieses Thema sollten wir vielleicht einen neuen Bereich aufmachen.
Created06/08/2025edited once, moved Lenchen66 yrsUnd noch ein kleiner Fun-Fact für die so viel besseren und demokratischeren Wessie: Von dem 14 köpfigen Bundesvorstand de AfD sind drei auf dem Gebiet der ehemaligen DDR nach 1945 geboren, davon einer 1989, also mindestens elf Personen im der alten Bundesrepublik sozialisiert.
T********hDas auffällige war für mich. Alle Politiker haben von der Wiedervereinigung gesprochen, aber keiner war darauf vorbereitet. Als ich 1957/58 zum Konfirmanden Gottesdienst ging, hat unser Pastor jeden Sonntag für die Brüder und Schwestern in der sowjetische Zone gebetet.
Oder hat er russische Zone gesagt?
Es wurde davon gesprochen, aber keiner hat daran geglaubt. Ohne Gorbatschow wäre das auch nicht passiert. Putin möchte die Zeit vor Gorbatschow zurück haben. Am 9.11.1989 hatte ich im Krankenhaus Nachtdienst. Am nächsten Tag sagten einige Patienten, warum hast du uns nicht geweckt.
E*******eIch behaupte mal, wenn sich Gorbatschow und Kohl nicht getroffen hätten, würden wir in einem ganz anderen Umfeld leben. Vermutlich würde es dann noch 2 deutsche Staaten geben. Lafontaine hätte sich wohl nie auf eine Widervereinigung eingelassen. Schon deshalb, weil er sie als zu teuer empfand.
T***bDie DDR hat mich schon immer interessiert. Ganz besonders die Frage, worin sich der Kapitalismus vom Sozialismus denn nun wirklich unterscheidet. Ich habe früher in Grenznähe gewohnt und so die Möglichkeit gehabt, das DDR-Fernsehen (bei uns genannt Ostzone) zu empfangen.
Ganz egal, aus welchem Bereich berichtet wurde, eines war immer gleich: Glückliche Menschen berichteten vollkommen kritiklos aus einer heilen Welt, die es nur in ihrer Heimat DDR gab. Der Westen wurde als die Wiedergeburt des Bösen dargestellt, in dem arbeitslose Bettler das Straßenbild beherrschten.
Hier mal ein Beispiel über die Einfalt der täglichen Berichterstattung. Diesen Schwachsinn musste sich der geneigte DDR-Fernsehkonsument jeden Abend in seiner Nachrichtensendung „Aktuelle Kamera“ im Wortlaut anhören::
„Der Generalsekretär des Zentralkomitees der SED Erich Honecker, empfing heute das Mitglied des Politbüros des ZK der Mongolischen Revolutionären Volkspartei und Vorsitzenden des Komitees für Parteikontrolle, Namsrain Luw- sanrawdan, und den Vorsitzenden der Zentralen Revisionskommission der MRVP Orsoogiin Njamaa.
Erich Honecker informierte über die erfolgreiche Durchführung der Beschlüsse des IX. Parteitags der SED. Erich Honecker informierte auch über die schöpferische Arbeit, die das werktätige Volk der DDR leistet, um die Beschlüsse des IX. Parteitags der SED in die Tat umzusetzen.
Carlos Rafael Rodriguez berichtete über die großen Anstrengungen des kubanischen Volkes zur Verwirklichung der Beschlüsse des l. Parteitags der kommunistischen Partei Kubas. Carlos Rafael Rodriguez überbrachte die brüderlichen Grüße des l. Sekretärs der ZK der kommunistischen Partei Kubas, Fidel Castro, die Erich Honecker auf das herzlichste erwiderte.“
Na, wenn man so etwas jeden Abend hören musste, dann ist der Wunsch nach Flucht schon verständlich. Gar nicht verstehen kann ich, dass sich der Nachwuchs dieser Generation nun statt der roten Ideologie nun verstärkt dem braunen Sumpf zuwendet
Lenchen66 yrsEs ist mir schon fast unangenehm, aber ich muss da wieder eine andere Meinung bekunden.
Was Du, lieber Arden sagst, trifft auf das Fernsehen, Radio und die Zeitungen der DDR zu. Nur, wer schaute diese Sendungen, las nur diese Publikationen?
Noch heute lachen viele über das Tal der Ahnungslosen um Dresden herum, wo keine westlichen Sendungen zu empfangen waren. Ansonsten dürften die politischen Magazine des westlichen Rundfunks prozentual bei den Bürgern der DDR mehr gesehen worden sein als von Bundesbürgern. Der politische Witz blühte wie wir als Bundesbürger ihn nicht kannten.
Woher ich das zu wissen meine? Nun, kurz vor dem 9. November 1989 hatte ich mich entschieden trotz der Mauer mein Glück in Westberlin zu versuchen. So war ich für den 11. und 12.November in Berlin verabredet, um mir bei vorhandenen Mietvertrag eine Wohnung zu suchen. Hat nicht geklappt und ich habe mehr als zwei Jahre nur Untermietverträge erhalten.
Ich habe während meiner Zeit hier meist in der ehemaligen "Hauptstadt der DDR" gelebt und mit meinen Nachbarn gesprochen, während ich im Westen gearbeitet habe.
Ich war einer der damals auch hier noch seltenen "Wossis". Ich bin immer wieder fasziniert, wie hoch die Mauer der Vorurteile immer noch bei beiden Gruppen ist und wie die Vorurteile weitergegeben werden.
Jeder hat schon Kontakte zu "den anderen" gehabt. Ich frage mich nur, ob mehr übereinander als miteinander gesprochen wurde. Wohl gemerkt beobachte ich dies auf beiden Seiten.
K*******uOstfernsehen konnte ich hier in Osfriesland, dessen Name in diesem Punkt ja absolut irreführend ist, da wir das nordwestlichste Gebiet Deutschlands sind, nicht sehen. Wenn wir über Jahre zu Feiertagen oft Kurzurlaub im Harz gemacht haben konnte ich es mal sehen und einen Eindruck davon bekommen was zum Beispiel Herrn von Schnitzler über uns erzählte und wie sich die Machthaber im Fernsehen darstellten.
Ich habe erst nach der Wiedervereinigung Menschen die in der DDR gelebt haben kennengelernt, aber in der Zeit und auch später mich viel mit Diesen unterhalten können, da ich gleich im Dezember 1990 zum ersten Mal beruflich in zwei Städten in Sachsen-Anhalt bei der Einrichtung von Behörden tätig war. Später lernte ich hier bei unserem Gay-Cafe auch einige homosexuelle Männer kennen die von Magdeburg hierher versetzt waren und zu denen auch immer noch freundschaftliche Kontakte bestehen.
Ich muss sagen, das Bild was ich von den Menschen damals bei meine Tätigkeit gewonnen habe war nicht nur das des "Jammer-Ossis", was schon später einmal bei Einigen durchklang, ich habe durchaus optimistisch in die Zukunft sehende Leute erlebt, die mit der Situation nach 1990, so weit ich es verfolgen konnte, auch gut zurecht kamen. Wenn wir davon sprachen welche Medien sie zu DDR -Zeiten kannten, muss ich Lenchen Recht geben, es wurde viel Westfernsehen geguckt und die DDR-Nachrichten eher belächelt.
Created07/08/2025edited once T***bLiebes Lenchen, ich habe keine Scheu vor anderen Meinungen und bin immer für Diskussionen offen. Es muss dir also nicht unangenehm sein, mir zu widersprechen. Wäre ja ein Jammer, wenn wir uns hier nur mit der eigenen, subjektiv empfundenen richtigen Auffassung gegenseitig beweihräuchern und uns beleidigt zurückziehen, wenn mal jemand einen anderen Gedanken hat.
Jeder hat seine Erfahrungen und daraus entsteht eine Meinung. Ich hatte, objektiv gesehen, den geringsten Umgang mit Ex-DDR-Bewohnern. Lenchen, du hast die größte Erfahrung mit Ostlern, dann Snoopie und danach ich.
Allerdings fühle ich mich mit meinem jahrelangen Ostfernsehen auch informiert. Wenn ich oben als Besserwessie rüberkam, dann war das nicht meine Absicht.
Mir geht es nämlich im Grunde um etwas ganz anderes. Ich möchte eine Erklärung dafür finden, weshalb nach der Zeit der ersten Euphorie in nur wenigen Jahren der Hang zum Rechtsextremismus in der Ex-DDR so besonders stark ist. Wenn mir jemand dazu seine Meinung sagen würde, wäre ich ihm wirklich dankbar.
Lenchen66 yrsSo, wieder vom Putzen einer Ferienwohnung, in der übrigens der Sohn geflohener jüdischer Deutscher aus Chile lebt, zurück.
Dazu habe ich mehrere Erklärungsansätze, lieber Arden.
Zum einen haben Menschen meines Alters und darüber bei aller indirekten Kenntnis der westlichen Welt doch in einer Gesellschaft gelebt, die so ganz anders funktionierte als die, die wir kennen.
Jeder hatte das Recht aber auch die Pflicht zur Arbeit. Soziale Leistungen mussten nicht beantragt werden sondern wurden zugeteilt, zum Beispiel beim Renteneintritt.
Ärztliche Leistungen wurden in einem Gesundheitsheft eingetragen, zu dem auch die Arbeitgeber Zugang hatten. Das wurde als vollkommen unproblematisch angesehen. Mein Entsetzen darüber wurde nicht verstanden.
Frauen mussten mitarbeiten, standen dadurch aber immer auf eigenen Füßen.
Sogenannte Vertragsarbeiter lebten in Wohnheimen, waren sie weiblich und wurden schwanger mussten sie abtreiben oder zurück in die Heimat. Bei allem geäußertem Internationalismus wurde so eine weitgehend herkunftsreine Bevölkerung sichergestellt.
Das Leben war so durchorganisiert und die Bürger mussten sich keine Gedanken machen, so lange sie keine offene Kritik äußerten. Die wurde nur im privaten Kreis geäußert.
Das Leben war also erst mal einfacher und wurde durch die Wende sehr viel komplizierter.
Gleichzeitig wurde die eigene Lebensleistung als weniger wert dargestellt, zum Beispiel bei Köch*Innen. Viele Gemüse kannten nur Mitarbeitede in Devisenrestaurants, also waren Zusatzqualifikationen nötig, was als verletzend und abwertend empfunden wurde.
Ich denke, mit diesen Beispielen wird deutlich, welche Leistung die Menschen von einem Tag auf den anderen erbringen mussten, wie sehr das Leben vom Kopf auf die Füße gestellt wurde. Viele Westdeutsche sagen, die DDR Bürger sollten doch froh sein, weil sie doch so viel bessere Chancen als zum Beispiel Tschechen oder Polen gehabt hätten. Da bin ich ganz anderer Meinung. Auf den ersten Blick und für die ersten Tage mag das Dinge einfacher gemacht haben, aber dann traten die Menschen und Geschäfte in direkte Konkurrenz zu jenen, die in dieses System rein geboren wurden. Große Industrien wurden oft von Konkurrenten aus dem Westen übernommen und oft direkt abgewickelt ohne Chancen zur Zusammenarbeit zu nutzen.
Gleichzeitig haben viele Westdeutsche keinerlei Veränderung gespürt sondern nur gesehen, dass die Infrastruktur über den Solidaritätsbeitrag im Osten erneuert wurde. Viele Westdeutsche glauben noch immer, das nur sie den bezahlt hätten. Nun, das war schon immer nicht zutreffend.
Was aber zutraf ist dass die Bemessungsgrundlage der Renten erst im Juli 2023 in Ost und West gleich ist und die Renten die gezahlt werden sind erst in diesem Jahr bei gleicher Arbeitsleistung gleich.
Erst 2019 wurde im Tarifrecht nicht mehr zwischen Ost und West unterschieden, bei denen Ostdeutsche mehr Wochenarbeitszeit bei geringerem Einkommen hinnehmen mussten.
All diese Tatsachen sagten den Menschen, aus deren Reihen die einzige gelungene demokratische Revolution aus eigener Kraft auf deutschen Boden hervorging, dass sie augenscheinlich nicht gleichwertig sind.
Ich war schon damals über die Entscheidungen unglücklich und sehe, dass hier viele Chancen vertan worden sind. Ja, es gab keine Erfahrungen mit einem solchen Vorgang und wir mussten beim Vereinigen lernen. Aber einige Fehler waren offensichtlich und hätten so nicht gemacht werden dürfen.
K*******uWenn ich doch eine Meinung die auch irgendwie eine Grundlage hat dazu hätte, arden, ich würde zu nur zu gern hier weitergeben, aber mir geht es ja genau wie Dir, dass ich immer noch nach einer Erklärung suche, was auch sicher aus meinen Beiträge so hervor geht. Gerade eben lese ich den guten Versuch einer Erklärung von Lenchen, deren angeführte Fakten ich gut nachvollziehen kann und die sich auch mit meiner Sicht decken. Diese Fehler werden mit zu Dem beigetragen haben was wir heute erleben, aber was kommt noch hinzu was zu dieser erschreckenden Zustimmung zur AfD geführt hat ?
Lenchen66 yrsDer von Dir erwähnte Herr von Schnitzler, lieber Franz, hieß bei DDR Bürgern nur Herr von Schnitz... wenn er so angesprochen wurde und protestierte, bekam er zur Antwort: Oh, da hatten wir schon immer umgeschaltet...
"Unser" Herr von Schnitzler, Gerhard Löwenthal, war ja vom Ton her durchaus ähnlich...
Lenchen66 yrsIch hoffe, ich habe jetzt nicht zu weit ausgeholt und bin verständlich.
Was ich noch dazu sagen muss:
Für die Bundesbürger endete der Krieg 1949 bis 1950, die DDR zahlte den Preis bis 1989.
Wir in der Bundesrepublik haben uns mit unserer Schuld erst seit 1968 angefangen ernsthaft auseinanderzusetzen. Es gab die NPD in Landtagen, die DVU und die Republikaner noch bevor es die AfD gab.
Kein Grund also, uns für klüger zu halten, oder?
Lenchen66 yrsWir dürfen nicht vergessen, dass es "den" Bürger der DDR ebenso wenig gibt wie "den" Bundesbürger.
Auch zu beachten ist, dass das Bild vom Westen nicht nur durch Panorama oder den Heute Nachrichten oder der Tagesschau geprägt wurde.
Ebenso wichtig sind Krimis und die Werbung. Wenn ich die nicht mit dem realen Leben abgleichen kann entstehen schob falsche Bilder.
So habe ich in der ersten Zeit oft gehört, dass ich als Wessi ja von Hause aus reich sei... und mein reales Einkommen wurde angezweifelt, weil von so wenig kann ja keiner im Westen überleben...
T*****eWie hätten und wie würden die Bundesbürger sich nach rd 40 Jahren SBZ/DDR verhalten? Zu NS-Zeiten war die Zustimmung im Osten höher als im Westen, einen allgemeinen Widerstand gab es aber auch im Westen nicht.
K*******uIch glaube nicht das es die Ursache ist, dass eine Religion oder Weltanschauung fehlt oder auch umgekeht dominierend ist, für die Entscheidung Rechtspopulisten zu wählen und von so großer Bedeutung ist, sondern eher das man sich ausgeschlossen fühlt von den bisherigen Parteien und auch von den großen Kirchen, die ja ganz schnell nach der Wende auch in der ehemaligen DDR wieder mehr Positionen beziehen konnten obwohl die Mitgliederzahl gering war und ist, sie gehören auch zu den "bei uns eingefallenen Wessis" welche "die Macht übernommen haben". Zuerst fand man es noch gut, weil schnell Erfolge kamen durch westliche Politiker wie Biedenkopf oder Vogel, aber später als es nicht mehr so lief sah man es wieder unter dem Gedanken "die da oben - wir hier unten" !
Created08/08/2025edited twice T********hDa ich ja Kontakt zu einigen Leuten aus Sachsen habe, möchte ich noch was zu meinem Eindruck sagen. Manche sind ja in einer Diktator groß geworden und die sind es gewohnt das alles von oben geregelt wird. Die rechtsgerichteten Leute gab es in der DDR schon immer, aber von offizieller Seite wurden sie einfach nicht erwähnt. Da wurde einfach gesagt, was es nicht geben darf gibt es nicht. Das macht man in Diktaturen so.
Es gibt aber ja auch noch viele andere , die nichts mit der AfD zu tun haben wollen, so sollten wir die AfD im Osten auch nicht über bewerten und die vielen anderen bei der Diskussion über sehen. Die NPD wurde bei uns ja zum Glück nie richtig stark und ich hoffe immer noch das die AfD eines Tages verschwindet.
Damit möchte ich auch sagen, das die Leute in den östlichen Bundesländern genau so vielfältig sind wie im Westen. Nur in der Gesamtheit im Moment noch etwas rechtslastig.
Lenchen66 yrsDa trifft doch im Augenblick auf das gesamte Land zu.
Ich weise nur auf die Demontage von Frau Professorin Brosius-Gerstorf hin.
T*****eLeider haben die Rechtstendenzen in Europa allgemein zugenommen, siehe Niederlande, Österreich, Frankreich, Polen, Ungarn, ja sogar Nordeuropa.
In GB haben sich sowohl eine neue linke als auch eine nicht ganz neue rechte Partei gebildet. Diese rechte Partei wird von dem Brexit-Anführer und Mitglied des Unterhauses Farage angeführt und hat in letzter Zeit mehr Zuspruch.
Überwiegend Länder denen es gut geht, zumindest besser als in der Vergangenheit (Polen+Ungarn). Mir fällt dazu der Spruch mit dem Esel und dem Eis ein.
Created09/08/2025edited once Lenchen66 yrsAber wir in diesem Land müssen doch nicht alles mitmachen...
T*********mDas uns die DDR Unmengen an Geld kosten würde, wurde in der Wiefervereinigungshysterie von der Politik ausgeblendet. Allein eine fast wertlose Währung 1 zu 1 in die DM umzutauschen ein finanzpolitischer Wahnsinn. Finanzökonomen haben damals davor gewarnt.
Und heute? Noch immer zahlt der Westen Unsummen an die Ostländer Und dennoch wird von dort ständig noch mehr "Unterstützung" gefordert. Finanziell ein Faß ohne Boden..
T*****eDer Solidarpakt ist vor Jahren ausgelaufen. Heute profitieren die neuen Bundesländer m.W. vom Finanzausgleich, wie z.B. auch NRW oder Saarland.
Lenchen66 yrsIch sehe, die alten Neiddebatten und Schuldzuweisungen funktionieren auch im Westen noch. Schade eigentlich.
T*********mWäre zu der Zeit als Beispiel der franz. Franc 1 zu 1 oder selbst 1 zu 2 in DM umgetauscht worden, wäre dies wohl in der Bevölkerung nicht vermittelbar gewesen.
Warnungen der Bundesbank und der Großbanken wurden wisssentlich nicht zur Kenntnis genommen. Wer dieses Thema damals öffentlich machte wurde ganz einfach als Einheitsverweigerer abgetan.
Lenchen66 yrs...
Danach hört er in Erfurt allerdings eine Menge Gerüchte. Algerische Arbeiter würden andauernd Frauen belästigen. Sie bekämen die guten neuen Wohnungen im Neubaugebiet. Und so weiter.
...
Lothar Tautz ist mit Sicherheit nicht der einzige Mensch in Erfurt, der durch Zufall herausfindet, dass dort algerische Männer arbeiten. In der Sitzung des Rates der Stadt am 13. August, in der sich Mitglieder über den brutalen Einsatz der Polizeihunde beschweren, klagt auch jemand über das MfS: Die Stasi habe verhindert, dass „die Bevölkerung ideologisch auf dieses Problem vorbereitet wird“.
...
Einer der drei Erfurter Betriebe, in denen die Männer aus Algerien arbeiten, füllt die Informationslücke mit eigenen rassistischen Annahmen. Das Volkseigene Bau- und Reparaturkombinat Erfurt will seine Arbeiter:innen mit einer „schriftlichen Argumentation von Werktätigen aus der Demokratischen Volksrepublik Algerien“ auf die neuen Kollegen vorbereiten.
In dem Papier steht, die Algerier würden Arbeitsdisziplin „in unserem Sinne“ nicht kennen, ihr „Verständnis für das Leistungsprinzip“ sei „völlig unterentwickelt“, sie würden gern barfuß laufen, weswegen auf Baustellen Vorsicht geboten sei. Außerdem könne es passieren, „dass einer nach Hause fährt, weil der Sippenälteste ihn ruft“. Dieser Ruf sei „ein Befehl, der bedingungslos ausgeführt wird“.
Weiter heißt es, „in Algerien heiratet man schon mit 15 Jahren“, deswegen sei es verständlich, dass die Männer von dort „auch für die 12/14jährigen Mädchen aus Erfurt eine besondere Vorliebe haben werden“.
..."
Entschuldigt bitte den langen Text, aber ich denke, er ist nötig zum verdeutlichen.
K*******uJa, es macht deutlch, dass dieser Rassismus und Ausländerfeindlichkeit schon so lange da ist. Um diese Zeit sind im Westen viele Türken nach Deutschland gekommen. Es gab zwar, soweit mit bekannt ist keine Ausscheitungen gegen sie, aber auch rassistische und ausländerfeindliche Äußerungen und es war ein anderen Umgang mit diesen Menschen als mit den vorher bei uns bekannten europäischen Gastarbeitern, wo die Portugiesen hier auch gleich in der katholischen Kirchengemeinde integriert waren. Aber hilft es uns jetzt, wenn man dies den Menschen die in der ehemaligen DDR leben nach 30 Jahren vorhält, ihre Einstellung und ihre Wahlverhalten zu ändern, Lenchen ?
Created11/08/2025edited once Lenchen66 yrsLieber Franz, ich bin durchaus alt genug um mich auch an die rassistischen Äußerungen gegenüber den "Itaker" genannten italienischen Gastarbeitern im Westen zu erinnern.
Es geht mir auch nicht um das "Vorhalten" vergangener Verbrechen, es geht mir um das Aufzeigen von Verbindungen, nicht nur im Osten, die zum Beispiel nach Solingen, Mölln und Hanau verweisen.
Aber es geht auch um das Aufzeigen, wie eine Haltung, wie sie heute besteht, entstehen konnte.
...und Gelsenkirchn, wo die AfD bei den letzten Wahlen zur stärksten Fraktion wurde, liegt meines Wissens nach immer noch im Ruhrgebiet und das ist ziemlich tief in der alten Bundesrepublik.
Gleichzeitig wünschte ich mir, dass wir hier nicht soviel über sondern mehr mit ehemaligen Bürgern der DDR reden würden. Oder sind hier keine Mitlesenden?
K*******uja, die Frage habe ich mir auch schon öfter gestellt und es wundert mich, dass wir da nichts lesen, können doch nicht Alle Angst vor Dir oder mir haben, Lenchen ?
Lenchen66 yrsAlso hier in Köpenick im Osten Berlins und gestern in Schwedt an der Oder hatte keiner Angst vormir...
T*****eZu Zeiten der Beatles wurden lange Haare, zumindest bei den Jugendlichen modern. Von der Bevölkerung, auch z.B. in West-Berlin wurden diese Langhaarigen oft angepöbelt, in der DDR angeblich sogar zwangsweise zum Frisör gebracht.
T********hGute Frage , warum die Schwulen aus dem Osten sich hier nicht beteiligen. Mein Partner ist 1980 in Karl Marx Stadt geboren und seit 7 Jahren bei mir im Westen. Er hat mir schon einiges erzählt, von den Kämpfen zwischen linken und rechten Gruppen. Er könnte sich hier ja beteiligen, tut er aber nicht.
Um noch mal auf die Gastarbeiter zurück zu kommen. Da wurde zwar einiges gelästert, aber echte Feindseligkeiten habe ich nicht mit bekommen. Als Sexpartner waren die Türken ja von manchen auch begehrt.
Lenchen66 yrsVergiss nicht, auch positive Vorurteile sind Vorurteile.
04/09/2025: Entry made 04/09/2025 deleted
04/09/2025: Entry made 04/09/2025 deleted
U*****m(Leider erst heute diese Diskussion gesehen; mein Rechner hatte einen schweren Softwarefehler. Nun läuft es wieder bestens).
Als in Leipzig geborener und in der DDR sozialisierter Mensch musste man sich in der vorgegebenen Welt zurechtfinden. Die Eltern hatten Gründe, warum sie dieses Land nicht verlassen wollten oder konnten. Niemand kann es sich aussuchen, wo er hin geboren wird … 1961 zum Mauerbau war ich noch keine zehn Jahre alt, also nicht in der Lage, eine eigene Entscheidung zu treffen. Das ging Millionen von ehemaligen DDR-Bürgern genauso. Das kann uns niemand zum Vorwurf machen.
In meinem späteren Berufsleben nach der Wende war es aber mitunter so, dass offene oder unterschwellige Anfeindungen immer mit schwangen. Man sollte sich erklären, weshalb und wieso man als "Ossi" nicht einfach das Land verlassen habe oder weshalb man sich so unterdrücken ließ. Nicht wenige Westkollegen sprachen unverblümt vom "Dunkeldeutschland", von faulen "Ossis", die man nun auch noch durchfüttern müsse. Es gab und gibt viele Erniedrigungen und falsche Behauptungen über unser Leben in der DDR. Verletzungen heilen ab, sie bleiben aber im Verborgenen immer vorhanden.
Ich bin viel Arroganz und Überheblichkeit bei den Brüdern und Schwestern im Westen begegnet. Wer erlebt hat, von heute auf morgen sein Leben, seine Arbeit, seine Karriere, sein privates Leben völlig neu organisieren und existenzielle Ängste aushalten zu müssen, der kann einschätzen, was Millionen von Ostdeutsche durchgemacht haben.
Löhne bis heute niedriger, Rente bis vor Kurzem nicht auf gleichem Niveau … Ich will gar nicht aufzählen, warum viele Ostdeutsche so frustriert und enttäuscht sind. Das würde den Rahmen hier sprengen.
Eines sollte aber klar sein: Alles hat seinen Ursprung. Das Dritte Reich, Hitler und sein tausendjähriges Imperium haben großes Unrecht gebracht. Die Ostdeutschen haben die Reparationen an die Sowjetunion für ganz DEUTSCHLAND bezahlt. Das wurde im Westen nie anerkannt. Und wir spüren das immer noch. Nach 1990 brach die Wirtschaft praktisch zusammen. Raubritter und Heuschrecken eroberten das Land ohne Rücksicht auf die Menschen. Auch das ist ein Grund, warum es in unserem Land keine richtige Befriedung gibt. Wir kamen von alten zu neuen Ungerechtigkeiten. Und auf einmal hatten wir nur noch „Widerstandskämpfer“ in den ostdeutschen Ländern, ähnlich wie 1945 (da wusste auch keiner etwas und Nazis waren nicht zu finden…).
Es wurde viel geschafft. Das System war früher oder später dem Untergang geweiht (Ost/West-Rivalität). Niemand bestreitet die Erfolge. Trotzdem bleibt es eine Realität, dass Menschen in großer Zahl auf der Strecke geblieben sind. Wenn sich die Politiker nicht wieder besinnen für wen und mit welchem Ziel sie Politik machen, dann wird das auch nichts mehr mit der BRD. Nur Sonntagsreden und schöne Worthülsen bringen nichts.
Übrigens auch im alten Teil der BRD wir AFD mit zunehmenden Zahlen gewählt. Das ist mitnichten ein Phänomen im Osten des Landes.
Created05/09/2025edited once T***bDann lasst uns endlich diese Debatte beenden und zusammen gegen unseren gemeinsamen Feind kämpfen.
Wenn uns das nicht gelingt, dann geht mit dem Verlust unserer Freiheit alles verloren, was für uns jetzt existenziell bedeutsam ist.
Ich möchte in keinem Land leben, das unfrei ist und von einem Geist beherrscht wird, der auf zweifache, ideologisch unterschiedliche Weise (Nazideutschland, DDR) eines gemeinsam hatte: Nicht mehr so leben zu können, wie es für uns jetzt (noch) selbstverständlich ist. Die Gefahr, das alles zu verlieren, war noch nie so groß wie jetzt.
K*******uGuten Morgen ! Das finde ich nun nicht ganz fair gegenüber bicolor, arden ! Hier soll doch niemand abgewürgt werden. Ich habe wegen meiner Situation ja im Moment nicht so viel Zeit aber ich werde gleich noch mal genauer lesen was unser Community-Freund bicolor geschrieben hat und sehen ob ich was antworten kann.
Natürlich hast Du hinsichtlich unserer Freiheit Recht, aber das stellt doch bicolor auch gar nicht in Frage ! Darum verstehe ich nicht, warum Du keine Unterhaltug möchtest zu diesem Thema. Das klingt ja fast nach der Arroganz der Leute denen es schon zur "Wendezeit" in der Bundsrepublik gelungen war eine gute Position in der,Gesellschaft zu erreichen und die sich nicht daran gestört haben und es lieber mit ideologischen Floskeln übertüncht haben, wie ungerecht Vieles bei der Wiedervereinigung zugegangen ist, was heute eben noch nachwirkt, wie bicolor es richtig sagt.
Created06/09/2025edited once Lenchen66 yrsHm, ich habe das von Arden gesagte anders gelesen, gerade mit Blick auf die letzte Bemerkiung bei Dir, Bicolor.
Auch ich wünsche mir, dass wir mit den wechselseitigen Schuldzuweisungen für das erstarken der AfD aufhören.
Das wir immer wieder über die Leistungen der Bürger der ehemaligen DDR reden und über die Verletzungen, die die Bundesrepublik durch nicht Anerkennen von Lebensleistungen, über dreißig Jahre niedrigere Renten und Löhne den Menschen, die ja für ihre Freiheit gekämpft haben, zugefügt hat muss erinnert werden.
Ich sehe die Grundlagen für das immer weitere erstarken der Rechtspopuliste weltweit, und da ist "unsere" AfD noch schwach, eher im unwidersprochenen Abbau von Lehren aus dem zweiten Weltkrieg.
P*******p
"arden" hat doch recht.
Wie oft denn noch diese immer wiederkehrenden Argumente, auch wenn sie z. T. sicher berechtigt sind. Nochmal 30 Jahre?
Nicht eins davon ist es wert, deswegen Freiheit und Demokratie aufs Spiel zu setzen!!!
Und dessen sollten sich vor allem auch die jungen Wähler bewußt sein, die nun in Scharen den Rattenfängern der AfD auf den Leim gehen, und die diese Argumente wohl kaum noch für sich in Anspruch nehmen können.
Lenchen66 yrsWie gesagt, ich lese Ardens Beitrag deutlich anders als Du, liebr Peter/ Sturmfrei und ich frage bei Deiner Lesart:
Wo sind die AfD Wähler im Osten schuldiger an dem Aushöhlen der Demokratie als die Westwähler, oder liegt Gelsenkirchen auf einmal im Osten und nicht mehr im Ruhrgebiet. Nur zur Erinnerung: Dort wurde dieses Jahr der CSD abgesagt aus Angst vor Rechtsradikalen.
Sind die Wähler schuldiger als die Rattenfänger vorwiegend aus dem Westen?
Sind die Wähler schuldiger als die "Altparteien", die den Themen und Lösungen weltweit folgen, die die Rattenfänger setzen?
Ich denke, die Themen der Ungerechtigkeit bei der Wiedervereinigung werden so lange wichtig bleiben wie "Besserwessis" den Bürgern auf dem Gebiet der ehemaligen DDR erklären, wie dumm sie sind.
P*******p
Ja, zum Beispiel von "Besserwessis" wie Höcke und Kalbitz (und anderen AfD-Wortführern aus dem Westen), von denen sich die Bürger auf dem Gebiet der ehemaligen DDR für dumm verkaufen lassen!
Created06/09/2025edited once T***bWas an meinen Worten missverständlich, abwürgend oder sonst etwas ist, begreife ich nicht. Also versuche ich es noch einmal: Wir Deutsche (der ehemalige Osten und der ehemalige Westen) dürften es uns nicht mehr leisten, uns wegen der eventuellen Fehler bei der Vereinigung gegenseitig Vorwürfe zu machen.
Viel wichtiger und höchste Zeit ist es jetzt, unsere Kräfte gemeinsam zu bündeln, um uns gegen unseren immer stärker werdenden gemeinsamen Feind (AfD) zu vereinen, um unsere Freiheit nicht zu verlieren.
Lenchen66 yrs...und den Wessis, die die Gefahr für unsere Freiheit nur in den Köpfen der Menschen auf dem Gebiet der ehemaligen DDR sehen.
Ich bin ha eigentlich nicht christlich, aber ich denke gerade an den Spruch: "Was suchst Du den Splitter im Auge Deines Bruders und siehst den Balken in Deinem eigenen Auge nicht."
Lenchen66 yrsLieber Arden, ich weiß, Du meinst das richtige, aber es ist schwierig, denen, die unter den Fehlern gelitten haben und leiden zu sagen, wann die Diskussion zu beenden ist.
Das ist so, als würdest Du einer Frau sagen, jetzt sei es aber genug mit dem Wunsch nach Gleichstellung.
Lenchen66 yrsWie wäre es, wenn wir Wessis uns mal etwas in Demut üben würden und mit den Menschen anstatt über die Menschen reden würden?
Ich finde, Bicolor hat sehr differenziert seine Sicht auf die Dinge dargelegt und danke ihm dafür.
P*******p
"...und den Wessis, die die Gefahr für unsere Freiheit nur in den Köpfen der Menschen auf dem Gebiet der ehemaligen DDR sehen."
Niemand behauptet das, aber den eklatanten Unterschied bei den Wahlergebnissen zugunsten der AfD, kannst auch Du nicht leugnen, Lenchen.
Auch wenn das "braune Virus" immer mehr auf den Westen überzuschwappen scheint.
Created06/09/2025edited once Lenchen66 yrsIm Westen "scheint" er also nur anzukommen...
Wie ich schon sagte, sehe ich das populistische Denken nicht nur in der AfD, sondern auch bei SPD, CDU/CSU, leider auch bei Teilen der Grünen und in der gesamten Welt auf dem Vormarsch.
Lenchen66 yrsIch weiß, ich bin stur.
Aber ich frage noch einmal, welche demokratischere Idee von Freiheit und Demokratie in den Köpfen der westlichen Bundesbürger besser verankert ist.
Die praktische Abschaffung des Asylrechts in Deutschland durch die Verlagerung in die Länder der Europäischen Union, in die Asylsuchende zuerst einreisen?
Den Schutz der Westdeutschen Industrie durch die Verhinderung der ja eh nur geringen Konkurrenz durch Betriebe in den damals neuen Bundesländern über die Treuhand?
Die Arbeitsplatzbeschaffung für Westdeutsche Manager in der zweiten Reihe durch Posten im Osten des wieder vereińigten Landes?
Die stete Forderung an neue Bundesbürger, gefälligst ruhig und dankbar zu sein und die Überlegenheit durch Geburtsrecht anzuerkennen, die sich in geringeren Löhnen und Renten für dreißig Jahre für Ostdeutsche ausdrückt?
Ja, die ganze Welt geht jetzt den neoliberalen, angeblich rein wirtschaftlich begründeten Weg und verdammt alles empathische als soziale Spinnerei linker Träumer. Mir fehlt die soziale Konkurrenz der Ideen. Seit dem angeblichen Sieg der Demokratien (oder war es der Sieg des losgelassenen Frühkapitalismus?) und die Abschaffung des Sozialen/ Solidarischen in der sozialen Marktwirtschaft spätestens unter Schröder ist dieses Land nicht mehr in allen Punkten meines.
Nein, das ist kein Aufruf zur Abschaffung demokratischer Strukturen. Ganz im Gegenteil. Ich sehe uns auf dem Weg in eine verstärkte Herrschaft der finanziell Potenten weg von der früher angestrebten aber nie erreichten Chancengleichheit für Arbeiterkinder aber auch Kinder Alleinerziehender, Kinder zugewanderter in der ersten aber auch der dritten Generation.
T***b
Du hast den Vorteil, inzwischen beide gesellschaftlichen Systeme persönlich erfahren zu haben. Ich kenne nur die soziale Marktwirtschaft, die ihr im Osten Kapitalismus genannt habt. Den Sozialismus kannte ich nur aus dem DDR-Fernsehen.
Niemals hätte ich geglaubt, dass die Mauer jemals fallen wird. Ihr seid dafür auf die Straße gegangen und wolltet einfach nicht mehr in dieser Unfreiheit leben. Aber auch das ist eine Wahrheit: Es konnte für euch nicht schnell genug gehen, bis ihr die täglich im Westfernsehen gesehenen kapitalistischen Errungenschaften persönlich genießen durftet. Sehr laut wurde gerufen: „Und kommt die D-Mark nicht zu uns, dann gehen wir zu ihr.“
Der Kapitalismus ist hart und in vieler Hinsicht auch ungerecht. Die Sicherheit des ostdeutschen Sozialismus mit der Arbeit für alle, den billigen Mieten und den noch billigeren Grundnahrungsmitteln gibt es im Kapitalismus nicht.
Leider! Die soziale Kuschelecke gibt es auch nicht. DDR-Nostalgie hilft euch und uns nicht weiter. Das alles hättet ihr auch bedenken müssen, als ihr unsere Verhältnisse wolltet.
Ich kann zu hundert Prozent eure Enttäuschung verstehen. Aber: Ich habe mich zwar über die Einheit gefreut, aber mein Leben wäre auch ohne sie fortgesetzt worden. Ihr wolltet die Einheit!
Zu unserem Leben gehört aber auch die Vielfältigkeit. Das heißt, seit den 60er Jahren sind ausländische Menschen Bestandteil unseres Lebens. Es gibt zwar auch viele rechte Dumpfbacken im Westen, aber die Ergebnisse zu Gunsten der AfD im Osten sind eindeutiger.
Was ich möchte: Wir sind an einem Punkt angekommen, der so gefährlich ist wie noch nie. Uns beiden nützt es nichts, uns zu lange mit den Befindlichkeiten einer ungerechten Realität bei der Zusammenführung der beiden deutschen Staaten zu beschäftigen. Bis wir das aufgearbeitet haben und auf einen Nenner gekommen sind, haben uns die Rechten überrollt.
Deshalb sollte dieser Kampf gegen rechts für Ost- und Westdeutsche oberste Priorität haben.
Lenchen66 yrsDas der Kampf gegen rechten Populismus oberste Priorität haben muss ist unbestritten.
Aber das eine erreichen wollen heißt nicht das andere lassen. Ganz im Gegenteil, Denn wenn wir die auch herkunftsmäßig (sowohl innerhalb und außerhalb unserer Staatsangehörigkeit) begründeten Ungerechtigkeiten nicht ansprechen, tappen wir genau in die Falle der rechten Populisten.
Die reden uns ja ein, die Menschen aus südlichen Ländern seien einfach nicht kulturfähig oder willig. Das mit der angeblichen Anpassungsunwilligkeit von Menschen, die östlich der Elbe geboren wurden zu beantworten ist einfach nur falsch.
Gerade das ist ja eine beliebte Technik von Populisten. Sie beschreiben eine angeblich einheitliche Gruppe von Menschen, denen positive Eigenschaften zugeschrieben werden, die "wir" Gruppe und stellen der eine "ihr" Gruppe gegenüber, denen bestimmte Eigenschaften oder Fähigkeiten abgesprochen werden.
Ich erinnere uns Westdeutsche mal wieder daran, dass es vor der AfD die NPD, die Republikaner und die DVU gab. Auch die Aufarbeitung der gesamtdeutschen Vergangenheit in der Bundesrepublik kam erst durch die Hartnäckigkeit von Fritz Bauer und in der Folge die spezifischen Aspekte der deutschen Studentenbewegung 1968 voran. Ich erinner mich noch 1976/77 als "Nestbeschmutzer" beschimpft worden zu sein, wenn ich die Frage nach der deutschen Schuld gestellt habe.
Das die staatlich behauptete Freiheit von jeder nationalsozialistischen Schuld der Bürger der DDR nicht zu einer ähnlichen unwilligen Aufarbeitung wie in der Bundesrepublik führen konnte ist klar. Das auch in ihr einer Empfänglichkeit für Verführung liegt ist bedauerlich aber nicht unabdingbar.
Ich beobachte auch, dass nicht nur die Verführbarkeit sondern auch der Einsatz für die Freiheit und Demokratie östlich der Elbe bei jungen Menschen kraftvoller ist als bei denen, deren Leben von den Brüchen 1989 unberührt geblieben ist und bleibt. Aber die Betonung von Hass verkauft sich einfach besser in den Medien als der unermüdliche und wenig spektakuläre Einsatz von engagierten Menschen.
T***bDie Aufarbeitung der Vergangenheit im Westen war schlecht. In der DDR fand sie überhaupt nicht statt, Lenchen. Ganz im Gegenteil! Als die Israelis bei der Münchener Olympiade dem Terrorangriff zum Opfer gefallen waren, hörte ich einen DDR-Kommentar, der zu den abscheulichsten antisemitischen Erinnerungen meines Lebens gehört.
Der kaum zu vernehmenden, in höchst verzeihlicher Form gehaltenen Nachricht, dass Palästinenser Israelis in ihre Gewalt gebracht hatten, folgte der gehässige Kommentar, dass die Israelis ihr Schicksal wohl sich selbst zuzuschreiben hätten. Einfach widerlich, wenn ich nur daran denke. Der Staat Israel wurde (weit vor Netanjahu) selbst bei einer sozialdemokratischen Regierung von der DDR wie Abschaum behandelt.
Und natürlich: Die alleinige Schuld an den Naziverbrechen hatten die Bonner Kriegstreiber und Revanchisten. Die DDR hatte sich und ihre 17 Millionen DDR-Bürger selbst zu Widerstandskämpfern erklärt, da ja Kommunisten von den Nazis verfolgt wurden.