K*******uDa ich in letzter Zeit aus bekannten Gründen sehr enthaltsam war mit dem schreiben hier, möchte ich heute mal ein Thema aufmachen was mir schon länger durch den Kopf geht. In diesem Fall geht es nur um männliche Homosexuelle und ich bitte unsere Community-Freunde die nicht darunter fallen einmal um Nachsicht, dass ich eher Leute damit anspreche die wie ich nie eine sexuelle Beziehung zu Frauen hatten oder wo diese nicht funktioniert hat.
Ich weiß, ehrlich gesagt auch nicht, ob es möglich gewesen wäre wenn ein Frau hartnäckig versucht hätte mich "rum zu kriegen". Aber es ist zum Glück auch nie passiert und ich war über 30 Jahre mit meinem verstorbenen Mann zusammen und habe schon über ein Jahrzehnt wieder einen festen Partner auch wenn dies nur als Wochenendbeziehung möglich ist.
Ich habe jetzt so weit ausgeholt, weil ich darauf hinaus will, dass Menschen die so wie ich und Andere ihre Homosexualität ziemlich offen und für andere Menschen leicht ersichtlich ausleben auch Die sind, die in unserer Gesellschaft das größte Risiko eingehen diffamiert und von Anderen gemieden zu werden. Ich hatte mal gehofft, dass die Situation für uns mit der Zeit besser wird, aber wenn man jetzt sieht was aus den USA auf uns zukommen könnte macht mir das eher Angst.
Es ist zu befürchten, dass auch in Europa wieder eine Welle auf uns zukommt (wenn sie nicht sogar schon angelaufen ist), wo Menschen die keine heterosexuelle Beziehung haben und keine Kinder nicht mehr so gut angesehen sind in der Gesellschaft und Nachteile haben werden. Davon sind natürlich allle unsere "heimlichen Schwulen", die ab und zu aus ihrer Ehe mit Frau ausbrechen und auch alle die verheiratet waren, Kinder haben und damit nicht eindeutig zu den "offen lebenden Schwulen" zählen, nicht so sehr betroffen bzw. Außen vor.
Es ist ja auch die ganzen Jahre so gewesen, dass die Rechte, die für uns in vielen Ländern erstritten wurden, nicht von der versteckten Schwulen erkämpft werden konnten, sondern die Arbeit dafür wurde von den sich zu ihrer Neigung bekennenden erkämpft. Was ich daran nicht verstehe ist, dass es unter Diesen allgemein sehr wenig Gemeinschaft gibt und die Leute die in Gruppen zusammen kommen auch wieder ein ziemlich kleiner Teil sind. Ob sich dies ändert wenn die Situiation für uns allgemein wieder schwieriger wird ?
Created27/09/2025edited twice T********hWas können wir da machen?
Zur Zeit ist es zumindest in meinem Umfeld ja noch alles gut.
Alle Leute die ich kenne wissen das ich schwul bin und keiner sagt etwas negatives.
Was hinter meinem Rücken gesprochen wird, möchte ich nicht wissen. Das bezieht sich nicht nur auf meine Homosexualität.
Das es in manchen Großstadtvierteln anders aussieht habe ich mit bekommen.
Was kann man machen ,wenn man merkt das es kippt, beziehungsweise in manchen Gebieten schon sehr viel schlechter ist.
Reicht es auf CSD`s zu gehen.,
Zu Bisexuellen mag ich lieber nicht viel sagen, aber politisch sind sie uns keine Hilfe.
K*******uIch glaube das man zusammen hält, wie Ihr mit dem schwulen Stammtisch und wie einige junge Leute auch bei uns im Lifepoint-Cafe ist ganz wichtig, Heinz, weil man das in einer weniger freundlichen Umgebung umbedingt gebraucht. Ich habe das als ich jung war und alle Freunde mit Mädchen unterwegs waren tüchtig gemerkt und erst als es so langsam eine Schwulen-Szene auch bei uns gab ging es mir besser.
K*******uAber das muss ich, noch kurz ergänzen, damit ich nicht mißverstanden werde. Ich meine mit Schwulenszene nicht den oberflächlichen Teil mit Diskos und Kneipen mit Darkroom, wo Viele nur hingehen um schnellen Sex zu haben und nicht miteinander sondern eher über einander gesprochen wird, sondern die vielen Treffen von Gruppen die alles Mögliche organisieren bis hin zu den inzwischen auch vielen CSDs in nicht zu großen Städten, aber auch ganz einfach nur Klön, Spiel oder Filmabende, einfach gemeinsam etwas machen.
Created27/09/2025edited once T********hDie Schwierigkeiten in der Jugend habe ich nicht vergessen. Als junger Landwirt auf dem Dorf in den 60 er Jahren . Das war nicht einfach. Heute kann man als Schwuler Landwirt mit seinem Partner auf dem Hof leben. Für mich damals unvorstellbar. ich dachte nur ,das darf keiner wissen.
E*******eIch empfinde diese Diskussion als ungerecht. Es ist doch so, dass verheiratete Bisexuelle kaum Gelegenheiten haben, sich an der schwulen Community zu beteiligen. Sie sind doch oft schon froh, wenn sie mal eine Gelegenheit haben schwulen Sex genießen zu können. Als Jugendliche bzw. junge Erwachsene mussten sie oft die Erwartungen ihrer Eltern erfüllen und heiraten, auch wenn sie das oft eigentlich garnicht wollten.
Ich selber bin zwar sozusagen "von Geburt an" schwul und ich hatte auch zu Hause keine großen Probleme, als das raus kam. Aber Bisexuelle vermeiden diese Offenheit. Teilweise weil sie wirklich beide Geschlechter attraktiv finden. Teilweise aber auch, weil sie Angst vor den Konsequenzen haben.
Was ich jetzt hier geschrieben habe, gilt auf jeden Fall für Viele aus den Generationen ab ca. 50+ und älter. Aber ich denke mal, auch jüngere Männer haben diese Ängste heute noch. Je nachdem in welchem Umfeld sie aufgewachsen sind oder heute leben.
K*******uMit den Erwartungen der Eltern geht das ja Allen so, Peter und wenn man nur den Schwulen Sex erleben will ohne dafür einzustehen was man ist, das ist doch auch nicht fair gegenüber Denen die für ihre Rechte kämpfen. Natürlich haben Bi-Sexuelle jede Gelegenheit sich bei der schwulen Community zu beteiligen, nur sie haben sich in den Fällen die Du ansprichst selbst für die Heimlichkeit entschieden entweder aus Angst oder auch aus Berechnung. Das dies nicht umbedingt eine Frage der Generationen ist, da hast Du vollkommen Recht.
Lenchen66 yrsAll das hier gesagte ist vom Einzelnen gesehen verständlich. Es hat zu seiner Zeit und an bestimmten Orten auch sicher eine gewisse Berechtigung.
Ich versuche mal einen anderen Blickwinkel. der die Entwicklung des schwulen und in der Folge auch queeren Standpunktes zu beleuchten, wie ich sie erlebt habe.
Bewusst wahrgenommen habe ich die Entwicklung ab Mitte der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Meinungen zu den sechzigern und gar fünfzigern hab ich nur indirekt, habe aber auch noch die bleibende Angst der queeren Opfer der Nazis erlebt bei Demonstrationen und Informationstischen in den frühen achtziger Jahren.
In meinen Augen waren die Siebziger und die frühen Achtziger sehr geprägt von der "sexuellen Revolution", die durch die Pille ausgelöst war und zunächst die vorwiegend die Heterosexuellen betraf.
Nackte Frauen waren Werbeträger und allgegenwärtig auf jedem Illustriertentitel und auch der Zeitung mit den vier großen Buchstaben. Wer das hinterfragte war verklemmt.
Das prägte auch die sich im Gefolge der Stonewall Riots in vielen westlichen Ländern formierende Schwulenbewegung. Ich kann mich gut erinnern, dass ich für mein Bedürfnis nach einer festen und ausschließlichen, sexuell treuen Beziehung auch in unserer Provinz, in Siegen, sehr angegriffen wurde. Ich wolle wohl das Patriarchat unterstützen, in dem ich mich nicht der freien sexuellen Verfügbarkeit hingab. Es war wie für die Frauen, die ja auch für die Männer sexuell verfügbar zu sein hatten, um nicht als verklemmt und rückwärtsgewandt zu gelten.
Aber schon damals wurde Marsha P. Johnson und anderen ähnlichen Aktivist*Innen ihre Weiblichkeit und ihre Bedeutung für die Vorgänge in der Christopher Street von schwulen weißen Männern abgesprochen.
Die homosexuellen Frauen trafen sich aufgrund der besonderen Verfolgungsgeschichte in Deutschland eher in der sich neu formierenden Emanzipationsbewegung für Frauen. Hier waren die Berührungsängste und die Grenzen wohl innerhalb der Geschlechtsgenossinnen wohl geringer als sie es auch heute noch bei cis Männern sind.
Ich belasse es erst mal bei diesem Ansatz und ergänze spätere Zeiten, wie ich sie erlebt habe, in neuen antworten.
K*******uVieles was Du über die 70er und diie frühen 80er Jahre schreibst kann ich so aus eigenem Erleben auch nachvollziehen, Lenchen, auch wenn ich es sicher aus einem anderen Blickwinkeln sehe und zugeben muss, dass Frauen für mich in sexueller Hinsicht immer "fremde Wesen" geblieben sind und ich deren Bedeutung für die sich damals formierende Bewegung auch nur am Rande registirert habe.
Ich würde auch gerne noch mal auf das Thema Bi-Sexualität zurückkommen, ich hatte Peter heute morgen im Privatchat geschrieben : Ich finde diese verheirateten Bi-Sexuellen tun niemand, auch nicht sich selbst einen Gefallen, wenn sie heimlich ihre Neigung ausleben, aber ändern werden wir das wohl auch nicht. Ob es nun Eltern sind oder Freunde und Bekannte vor denen man Angst hat ist eigentlich egal.
Ich hatte ja ziemlich früh niemand mehr weil meine Mutter verstorben ist als ich 22 Jahre alt war. Ich war auf entferntere Verwandte und befreundete Leute angewiesen, die mir damals auch sehr geholfen habe und da traute ich mich auch eine ganze Zeit nicht, davon etwas zu sagen das ich auf Männer stand. Hat mir aber außer Verzicht und Einsamkeit auch nichts gebracht es zu verheimlichen.
Nun muss man meine Einstellung dazu nich teilen, vielleicht urteile ich ja auch zu hart, da ich mit Bi-Sexuellen oft schlecht Erfahrung gemacht habe, die nur eins im Sinn hatte und das brauche ich hier wohl nicht näher erklären. Ich vermute, Viele habe selbst schon diese Erfahrung gemacht mit Jamand intim gewesen zu sein und am Schluß zu hören bekommen "grüße mich bitte nicht wenn Du mich mit meine Frau irgendwo sehen solltest ".
T********hDas hat wohl jeder Schwule mal erlebt, Franz. Sex ja, aber sprich mich blos nicht auf der Straße an. Wir sind dann ja auch nicht ganz unschuldig , weil wir uns gerne mal auf ein sexuelles Abenteuer einlassen. Da gab es ja auch schöne Momente.
Aber das Schwulsein ist ja auch noch ganz verschieden. Manche, wie ich auch, spüren es schon als kleines Kind. Was man in dem Alter natürlich nicht einordnen kann.
Andere merken es ist mit sechzig das sie Männer mögen.
Lenchen66 yrsIch habe in all den Jahren sehr unterschiedliche schwule und bisexuelle Männer kennen gelernt. Sie waren auch in der Hinsicht offen leben sehr unterschiedlich.
Für mich kann ich sagen, dass ich immer verhältnismäßig offen gelebt habe und wohl auch leben musste.
Zu meiner Selbsteinschätzung kann ich beobachten, dass sie sehr abhängig von meiner Umgebung war. Schon früh war mir klar, ich war anders als die meisten in meiner Umgebung. Wie selbstverständlich spielte ich mit Mädchen und hatte, obwohl anders erzogen, immer das Bedürfnis zu gefallen und unterstützend für meine Umgebung zu sein. Meine Eltern erwarteten von mir Durchsetzungskraft, ich bot ihnen Hilfsbereitschaft.
Zurück zu der Entwicklung in der Schwulenbewegung. Es war klar, dass der schwule Mann anders als sein heterosexuelles Gegenüber sein wollte. Er mochte keinen Fußball und konnte oft stricken. Er lebte die freie Liebe, wenn er konnte und ging wie schon zu Kaisers Zeiten in Parks und auf Toiletten "cruisen", aber jetzt ohne schlechtes Gewissen. Das sichtbare Spektrum reichte vom gepflegt gekleideten Typen Lehrer oder Beamter bis zur meist nur an den Gesten zu erkennenden Tunte. Studenten trugen Latzhosen, Popper fingen an Bundfaltenhosen zu tragen, die Punker waren seltener unter "unsereins". Alle trafen sich in Schwulengruppen oder in Lokalen meist mit Klingel an der Türe und undurchsichtigen Fenstern. Meist wurde Mann an der Türe gefragt, ob man wisse, was dies für eine Art Lokal sei.
Transvestiten waren etwas für Shows oder Großstädte, auch wenn sich fast alle von Zeit zu Zeit "anfummelten", meist auch die heterosexuellen Freunde die man hatte. Transsexuelle gab es nicht in der Öffentlichkeit, selbst Romy Haag in Berlin war nur eine, wenn auch konsequente, Fummeltriene. Auf der sich männlich gebenden Seite gab es Bartträger in Jeans und Karohemd, die Lederszene wurde als eher privat auszulebender Fetisch gesehen.
Die achtziger Jahre waren aber auch eine Hochzeit der androgynen Künstler, wobei David Bowie ein bekannter Vorläufer war. Ohne ihn sind Boy Georg und Prince auf der männlichen Seite aber auch Amanda Lear und Grace Jones auf der weiblichen Seite wohl nicht möglich.
Kein Mensch wäre damals auf die Idee gekommen effiminierten Männern vorzuwerfen, sie würden alle Schwulen blamieren. Es galt die Aussage "We are family" und man war solidarisch mit jedem.
T********hAls Schwuler auf dem Dorf hatte man niemand an dem man sich orientieren konnte.
Unsere Dorfschule hatte ja nur eine Klasse und wer kannte schon einen Homosexuellen.
Erst mit 27 habe ich mit gekriegt ,das man nicht nach Hamburg fahren muss um Gleichgesinnte zu treffen. In Oldenburg gab es ja auch welche. Aber wie sollte man die kennenlernen. Als ich zur Landwirtschaftsschule ging, war gegenüber vom Pausenhof ein kleines Häuschen. Da wurde dann gesagt das es eine Klappe ist. Aber ich hab nur Bahnhof verstanden und bin auch nicht dahin gegangen , wie ein anderer Mitschüler.
Als ich mich dann in die Lokalitäten traute, habe ich auch bald einige Männer kennen gelernt.
Am 29.ten Geburtstag lernte ich dann meinen Partner kennen mit dem ich bis zu seinem Tod zusammen war. Da gab es keine Geheimnisse mehr und manche junge Leute konnten jetzt sehen, das man als Homosexueller ein ganz normales Leben führen kann.
Ich kannte in meiner Jugend nur Homosexelle Straftäter aus der Zeitung.
Solche Zeiten wollen wir doch nicht wieder haben, dafür sollten wir kämpfen ,aber wie?
Sehr wichtig finde ich das wir uns in der Öffentlichkeit zeigen. Da braucht man nicht provozieren, die Leute kriegen das schon mit.
K*******uDas ist eben bei den meisten Bi-Sexuellen das Problem, die Wenigsten haben eine Familie die von ihrer Neigung weiß und aus allen Wolken fallen würde wenn sie erfährt das der Vater, Ehemann, Sohn, Schwiegersohn oder Schwager neben seine Frau auch sexuelle Kontakte zu Männern hat. Das die sich auch von dem Betreffende getäuscht fühlen ist ja verständlich.
Ich glaube, dass Leute über 60 die erst in diesem Alter ihre Homosexualität entdecken, diese Neigung wohl eher lange verdrängt haben und erst wenn sie alleine sind, z.B. weil die Frau verstorben ist oder die Ehe und Famlilie nicht mehr so ein Rolle spielen, trauen sie sich Dem zu stellen. Keine gute Situation wenn man als älterer Mann anfängt einen homoosexuellen Partner zu suchen und darin auch gar keine Erfahrung hat. Ich kenne einige Fälle die alleine sind und niemand finden.
T********hDa brauchen wir ja gar nicht so weit schauen. Unserem Walter ging es ja auch so. Erst als seine Frau gestorben ist, ging er auf Partner Suche. In jüngeren Jahren hätte er wohl leichter jemand gefunden. Aber Bisexuell war er wohl eher nicht. Trotz der 2 Söhne.
B*********mWie kommt ihr eigentlich darauf, dass schwule Mnner eine homogene Gruppe sein müssen, die die gleichen Vorstellungen und Ziele im Lebeän haben ??
Das ist doch vollkommen fern der Realität.
T********hEs geht ja hier nicht darum ob alle Schwule gleich sind.
Aber wir wollen doch alle respektiert und geachtet werden.
Dafür müssen wir uns auch zeigen, damit die Leute wissen wer wir sind.
Vor allem die sonst eher unauffälligen.
B*********mDas wäre bestimmt wünschenswert, aber müssen muss eben niemand.
Lenchen66 yrsIch finde es spannend, wie hier unterschiedliche Lebenswege und Standpunkte sichtbar werden.
Danke für Deine Offenheit, lieber Wemkendorf. Ich kann mir bei meinem durch Umzüge und Neuanfänge auch schon in der frühen Kindheit geprägten Leben nicht wirklich vorstellen wie es ist in der Geborgenheit aber auch Enge in einem Dorf mit einer Schule mit nur einer Klasse für vier Jahrgänge(?) aufzuwachsen.
Zu dem Thema gegenseitige Solidarität bringt Ihr mich dazu, zwei Dinge zu überlegen.
1. Wo sehe ich die Grenze der Gruppe von der ich für mich, von der ich Offenheit und erhoffe? Mehr als erhoffen kann ich ja nicht, ohne den Anderen unter Druck zu setzen.
Gehören Bisexuelle zu dieser Gruppe oder sind die für mich nur Homosexuelle, die sich nicht trauen?
2. Möchte ich Solidarität von jedem lesbisch oder schwul lebenden Menschen? Was habe ich gemeinsam mit Menschen wie Ernst Röhm, Alice Weidel der auch Jens Spahn? Oder auch umgekehrt betrachtet: Was haben queere Faschisten oder religiöse Menschen mit mir links-grün denkendem, nicht an eine fest formulierte Religion glaubendem Menschen gemeinsam außer die Tatsache, dass selbe Geschlecht zu lieben, dass ihnen bei der Geburt selbst zugeschrieben wurde. (Der letzte Satz klingt kompliziert, ist aber so nötig für mich)
T********hAch nein Lenchen, so gut war es nicht in der Schule, 8 oder 9 Jahrgänge in einem Raum und die ganze Zeit den selben Lehrer.
Da man ja immer alles mit gehört hat , hat man ja 8 Jahre immer dasselbe gehört.
Schlecht war es für die Kinder die nicht so gut lernen konnten oder die der Lehrer nicht leiden konnte. Da gehörte ich nicht dazu.
Meinungsvielfalt gab es da nicht.
Lenchen66 yrsGute Güte. Sogar alle acht Klassen in einem Raum. Das höchste, was ich erlebt hatte, waren je zwei Jahrgangsstufen in einem Raum mit nur einem Lehrer. Schon das war herausfordernd.
Ich muss sagen, dass es bewundernswert ist bei diesen Voraussetzungen, die Dir als Kind ja unweigerlich als normal erscheinen müssen so ein offener und selbstständiger Mensch zu werden, wie Du es ja offensichtlich bist.
Ich hoffe, das klingt jetzt nicht überheblich. Ich bewundere Deine Widerstandsfähigkeit wirklich und sehe eine große Offenheit und Neugier in Deinen Worten.
Lenchen66 yrsAber jetzt zu dem eigentlichen Thema, dass ja vom sehr persönlichen Leben geprägt ist.
Die zweite Homosexuellenbewegung in Deutschland nach der Zerstörung und Unsichtbarmachung durch die Nazis, die wir mit manch anderem Opfer teilen, ging ja auch durch verschiedene Entwicklungsstufen.
Nach 1968 zunächst als studentisches Projekt und bei allen Unterschieden solidarisch, wobei die Vielfalt oft unsichtbar blieb, formten sich auch für Nichtakademiker offene regionale Gruppen und Initiativen bis in die Jahre vor 1989 hinein. Die Spaltung in Frauenbewegung, die die Lesben einschloss, und Homosexuellenbewegung, die als fast rein männlich gelesen wurde, war in Westdeutschland eine feststehende Tatsache. Das es hinter dem Grenzzaun zur DDR andere Traditionslinien und Probleme gab, war wohl nur den wenigen Westberlinern klar, die mit offenen Augen auch mal nach Ostberlin schauten.
Das alles wurde, von Berlin aus betrachtet, durch den Fall der Mauer erschüttert. Wenn ich mich in den Bundesländern der ehemaligen BRD bewege, sehe ich da oft ein großes Beharrungsvermögen in alten Mustern.
Was aber wohl überall im Land zu spüren war ist ein schon vorher in der Bundesrepublik einsetzender Abbau der Solidarität zwischen verschiedenen sozialen Gruppen und eine Rückbesinnung auf heute so genannte Neoliberale, in meinen Augen eher radikal kapitalistische Denkweisen.
Langsam verschob sich der Fokus auch bei queeren Menschen von der Freiheit für jeden hin zu einer Freiheit für das Einzelnen. Das klingt zunächst nicht widersprüchlich, ist aber ein großer Unterschied.
Weil jetzt lieber Besuch da ist, formuliere ich die Idee später aus.
Lenchen66 yrsJa, es hatte auch vorher schon der bekannte "Tuntenstreit" stattgefunden, der die Frage stellte, ob Schwule, die die weibliche Seite ihres Seins sichtbar zeigten für alle Schwulen peinlich seien, aber im Grunde war Mann, und nur um die geht es hier, sich einig, dass Solidarität mit allen wichtig war.
Doch getragen von den Veränderungen auch in der Gesellschaft, die die Freiheit des Einzelnen auch rein in der Verantwortung des Einzelnen sah und damit ein möglichst angepasstes Bild nach außen förderte bildeten sich Gruppen in dem schwulen Teil der queeren Gemeinschaft. Trans Menschen waren immer noch weitgehend unsichtbar, auch wenn sich das in der Öffentlichkeit mit dem Transexuellengesetz von 1980 auch in der Öffentlichkeit zu ändern begann.
Ich habe eine Aufsplitterung der schwulen Realität in heteronormative bis betont männlich Auftretende Lederkerle oder Männer in Karohemd und Jeans auf der einen Seite und "tuntig" auftretenden Schwulen bis hin zu Transvestiten auf der anderen Seite wahrgenommen. Ja, wir können es auch als sichtbar Werden von Vielfalt lesen. Dagegen spricht für mich die schon bald einsetzende Auseinandersetzung über das Bild in der Öffentlichkeit.
Manche sind in den 1990ern mit der Kampagne "We are all family", auf deutsch "Wir sind alle (eine) Familie" gegen das auseinander Streben anzugehen.
Im Blick darauf sehe ich immer noch große Unterschiede zwischen Ostdeutschen Und Westdeutschen. Hier ist der Osten immer noch ( wie lange noch? ) solidarischer über Gruppengrenzen hinweg, gesehen aus Berliner Blickwinkel.
Lenchen66 yrsAllerdings habe ich jetzt bei der Betrachtung der verschiedenen Einflüsse einen vollkommen verdrängt. Die Anfang der achtziger Jahre auftretenden Fälle einer tödlichen Krankheit namens AIDS schlug in die Freiheit ein wie eine Bombe. Schnell bildeten sich aber Gruppen innerhalb unserer Gemeinschaft, die sich gegen religiöse und gesellschaftliche Panikmache und Ausgrenzung, die es auch gab, stemmte. Wohl fast jeder von uns, der vor 1983 sexuell aktiv war, kennt Menschen persönlich, die an dieser Krankheit gestorben sind und lernte, wenn er politisch oder gesellschaftlich unterwegs blieb Menschen kennen, die nach dem bald entwickelten Test ihre Ansteckung feststellten.
Manch einer entdeckte auch seine bisexuelle Seite und heiratete eine Frau. Wie oft durch genau diese Tatsache dadurch die zunächst auf Drogenabhängige und Schwule begrenzt zu scheinende Krankheiten in die Familien getragen wurden wird wohl nie beziffert werden.
Lenchen66 yrsEiner meiner Freunde hat sich "entschieden" keine Männer mehr zu begehren und ein Frau geheiratet, die von nichts wusste.
Auch die bald entstehenden Aidshilfen haben von der Gefährdung durch bisexuelle oft schlecht informierte Männer gewarnt. Es ist sicher kein weit verbreitetes Phänomen, aber in der Panik, die ja bestand, hat es schlechte Entscheidungen gegeben, ja.
Lenchen66 yrsÜbrigens, auch ich habe mich nicht immer an alle Regeln gehalten und oft einfach mehr Glück gehabt, als Menschen, die sich angesteckt haben.
Schuldzuweisungen sind hier nicht möglich und nicht sinnvoll, wie ja auch die damalige Gesundheitsministerin der CDU, Rita Süßmuth, schnell verstanden hat.
K*******uJa, ich war in der Zeit auch viel Unterwegs und habe auch unheimlich viel Glück gehabt. Ich habe das auch einem Freund zu verdanken, der sehr gesundheitsbewußt war und mich schon lange vor HIV darauf aufmerksam gemacht hat, was für Geschlechtkrankheiten es schon gab und wie man sich schützen sollte. Einen Versuch es mit Frauen zu versuchen habe ich nicht gemacht, das habe ich in vorigen Beiträgen hier schon mal erklärt. Ob nun so oder so, es sind damals eine ganze Reihe Leute die ich gut kannte verstorben.
T********hBei meiner Überlegung, wie AIDS mich in meinem Denken verändert hat, kam ich zu der Einsicht das bei mir keine große Veränderung stattgefunden hat. Außer das ich vorsichtiger wurde. Damals lebte ich auch schon 10 Jahre mit meinem Partner zusammen. Trotzdem kann ich von Glück reden , das ich nicht infiziert wurde.
Anders ist es wohl einigen jungen Schwulen ergangen. In meinem Bekanntenkreis gibt es doch auffällig viele Schwule, die damals etwa 20 waren, die sich ihrer Homosexualität nicht richtig bewusst waren oder es auch wegen AIDS verdrängt haben. Die haben dann eine Frau geheiratet, Kinder bekommen und erst Jahre später gemerkt, das es nicht geht. Jetzt leben sie offen schwul und sind Großväter.
Mit AIDS angesteckt haben nicht nur Bisexuelle. Mir ist ein Fall bekannt, da ist ein Mann , vermutlich heterosexuell ,eine Beziehung mit einer Frau eingegangen, er wusste das er HIV positiv ist, hat die Frau nicht informiert und sie angesteckt.
Lenchen66 yrsBei den Fällen, die es wussten und trotzdem ungeschützten Sex hatten ohne etwas zu sagen kann ich nur sagen, das ich gar kein Verständnis habe.
Heute ist das anders dank prophylaktischer Medikamente/ Prep oder guter Behandlung, die die Viruslast unter die Nachweisgrenze senken kann.
K*******uJa, das Internet hat für uns Alle in Hinsicht auf unser Lebensweise große Veränderungen gebracht, die ich nicht nur so freundlich mit "bunter und herausfordernder, sondern leider auch oft mit negativeren Begriffen für mich bezeichnen muss. Die Kommunikation findet im LGBT-Bereich (und natürlich auch anderswo) heute hauptsächlich über das Internet statt.
U.A. fast eine ganze Kneipenszene, welche sogar die Hochzeit der HIV-Infektionen überlebt hatte, ist verschwunden die es für uns ab Mitte bzw. Ende der 70er so bis einge Jahre nach der Jahrtausendwende nicht nur in den wenigen Metropolen wie Hamburg, Berlin, Köln und München gab, sondern auch in Städten wie Oldenburg, Wilhelmshaven oder eine ganze Zeit sogar in unserer 50.000 Einwohner-Stadt.
Es mag für die jungen Leute heute selbstverständlich sein, dass man wenn man im Urlaub, beruflich oder auch auf Dauer in eine neue Gegend oder Stadt kommt sich Kontakt über das Internet und die entsprechenden Seiten wie Gay Romeo, GayRoyal oder Andere sucht, aber für uns Ältere ist doch immer noch schön, wenn wir in Städte wie die oben genannten kommen und dort einfach in ein uns bekanntes Lokal gehen können, wo man weiß wo man ist und bezüglich unserer Neigung nicht versichtig bei Unterhaltungen sein muss.
Created05/10/2025edited 3 times K*******uIch bin auch immer Gast in nicht schwulen "ganz normalen" Kneipen gewesen, einfach auch weil es hier nur einige Jahre ein Gay-Lokal gegeben hat und weil ich gerne auch mal eine Runde Skat spiele. Ich habe zwar nie vrsteckt oder geheim gehalten das ich schwul bin und mit einem Mann zusammen bin oder auch verheiratet war, doch man muss ja bei Gesprächen mt Leuten die man nicht so gut kennt nicht"mit der Tür ins Haus fallen",
Es ist bei den meisten Unterhaltungen ja auch nicht erforderlich darüber anzufangen, das könnte bei einigen Heteros besonders nach ein paar Bier so verstanden werden, als wollte man sagen "Ich heiße Detlev und wie geht Deine Hose auf". So mit Kneipenunterhaltungen habe ich schon Einiges erlebt, dass Leute auch wenn man mit Partner in einer Kneipe war leicht unterstellten, man wolle Jemand anbaggern wenn sie mitbekommen haben das man schwul istl.
Lenchen66 yrsJa, der Blickwinkel aus kleineren Städten ist immer noch mal ein anderer.
Bei den Begegnungen in Kneipen frage ich mich immer, wie diese Männer, die sich angegraben fühlen wohl mit Frauen umgehen und ob sie sich für unwiderstehlich halten...
Was ich für mich beobachtet habe ist, dass es eine stärkere Ich-Bezogenheit gebildet hat. Da der sichtbar andere fehlt ist so, wie ich bin, der Maßstab der Dinge und ich umgebe mich vorwiegend mit Menschen, die mir möglichst ähnlich sind, die so oft beschriebene Blase oder Bubble...
Auf der einen Seite ist alles sagbar aber auch alles Fremde bedrohlich und wird abgewertet,