P******eJulian hatte so lange von ihm geträumt – seit er ihn das erste Mal im Media-Markt gesehen hatte. Es war reiner Zufall gewesen, dass er ihn überhaupt bemerkt hatte. Seine Mutter hatte einen neuen DVD-Player gesucht und Julian mitgeschleppt, zur Beratung, wie sie sagte, aber Julian war klar, dass Mama bloß hoffte, sich als seine Schwester ausgeben zu können.
Tatsächlich stürzte sie sich sofort auf den hilflosen Verkäufer und flirtete gnadenlos, während der arme junge Mann sie mit seinem Fachwissen über BluRay abzulenken versuchte. Julian hatte sich schon bald verzogen und war ziellos zwischen den Elektrogeräten umhergewandert.
Dann hatte er ihn gesehen, und seither konnte er ihn nicht mehr vergessen.
Natürlich war er viel zu teuer gewesen. Er kostete mehr als ein ganzes Monatsgehalt – das war zwar nicht zu viel für so ein Gerät, aber für Julian unerschwinglich. Trotzdem ließ ihn der Gedanke an den RockMegaOptic 2020 nicht mehr los. Romeo, das musste ein Zeichen sein. Dieser Fernseher war für ihn bestimmt, und er musste ihn haben.
Gleich nachdem sie endlich zu Hause waren, hatte Julian Kassensturz gemacht. Er verdiente wirklich nicht viel mit seiner halben Stelle, weswegen er immer noch bei seiner Mutter wohnte. Auch wenn diese ihr Arrangement als "WG" bezeichnete und bei jeder Gelegenheit damit angab, sich so gut mit ihrem Sohn zu verstehen, war es doch in Wahrheit so, dass Mama die Miete zahlte und Julian dafür ihren besten Freund spielte. So blieb ihm zwar genug zum Leben und für seine bescheidenen Bedürfnisse nach Freizeitaktivitäten, aber viel ansparen konnte er auch nicht.
Auf seinem Girokonto waren vielleicht noch drei-, vierhundert Euro, das reichte hinten und vorne nicht. Aber wenn er nicht mehr ins Kino ging, das Fitnesscenter kündigte und auf das wöchentliche Biertrinken verzichtete, könnte er das Geld zurücklegen.
Bot Media-Markt eigentlich Ratenzahlung an?
Neue Klamotten wären dann natürlich eine ganze Weile nicht mehr drin, und beim Essen ginge nur noch das Billigste.
Vielleicht konnte er sich da auch ein bisschen bei Mama durchschnorren, und der Figur würde der Verzicht auf Schokolade auch nicht schaden, besonders, wenn er nun nicht mehr ins Fitnessstudio ging.
Und so hatten die langen Wochen und Monate des Sparens begonnen. Anfangs war es Julian schwergefallen zu verzichten. Auch seine Freunde war sichtlich enttäuscht, als er sie immer wieder absagte. Mehr als einmal hatten sie versucht herauszufinden, was mit Julian los war, aber das war ihnen dann doch ein bisschen peinlich – wie klänge das denn: "Ich spare auf einen – nein, auf den Fernseher".
Also sagte er nur: "Nichts, nichts. Bin nur im Stress. Vielleicht demnächst mal wieder? Ich ruf euch an."
Natürlich meldete er sich aus Verlegenheit nicht wieder, und irgendwann gaben die Freunde auf. Julian war ein bisschen traurig. Doch er wusste, der Romeo 2020 war es wert.
Eigentlich läge noch immer ein knappes halbes Jahr vor ihm, doch als er heute wieder einmal bei seinem Romeo im Media-Markt vorbeigeschaut hatte, war er reduziert gewesen. Hastig hatte er den neuen Preis überschlagen – sein Erspartes reichte!
Er hatte keine Sekunde gezögert.
Und nun stand er hier, in seinem Zimmer, und lächelte ihn an. Noch ein wenig verlegen lächelte er zurück. Er zupfte an seinem Pulli. Im Vergleich zu seinem glänzenden Bildschirm und dem perfekt gestylten Gehäuse wirkte alles andere irgendwie schäbig, alt und abgenutzt, er selbst inbegriffen. Er seufzte.
"Hallo, Romeo", murmelte er. "Ich bin Julian, und das", er machte eine unbestimmte Handbewegung, "ist mein Zimmer. Deins jetzt auch", er lachte verlegen. Nervös zupfte er an der Zierdecke, auf der er stand. Er hatte extra umgeräumt, damit er in all seiner Stattlichkeit hier hinein passte, aber jetzt sah er, dass er eigentlich noch immer zu groß und zu elegant für ihn war. Er räusperte sich und meinte dann betont fröhlich: "Na, ich denke mal, wir werden viel Spaß miteinander haben!"
Teil 2 folgt morgen
H*****eDa sind wir doch mal gespannt .....
P******eDann griff er behutsam nach der Fernbedienung, setzte sich auf die Kante seines Bettes und schaltete ein.
Auf dem Zweiten kam heute ein alter Spielfilm, den er schon lange hatte sehen wollen. Nun füllten die Bilder sein Zimmer und seinen Kopf in nie gesehener Größe und Qualität, und lange bevor der Abspann kam, wusste er, dass er das Richtige getan hatte.
Als er am nächsten Tag von der Arbeit kam, stand er in seinem Zimmer und lächelte ihn freundlich an. Irgendwie schien er heute besser hierher zu passen – oder war es Gewöhnung?
Er widerstand der Versuchung, ihn sofort einzuschalten, und strich ihm nur rasch über das Gehäuse. Dann ging er in die Küche, um Essen zu machen und ein bisschen mit seiner Mutter zu plaudern.
Erst um Viertel nach acht drückte er wieder den Knopf, der Romeo zum Leben erweckte, und ging in den Bildern auf, mit denen er ihr Zimmer füllte.
Endlich hatte er etwas, worauf er sich freute, wenn er nach Hause kam. Romeo war der perfekte Mitbewohner, so viel entspannender als seine Mutter. Wenn Julian bei ihm war, konnte er alles andere vergessen.
Am Samstag wachte er auf, und sein erster Gedanke war, dass er heute den ganzen Tag Zeit hatte für Romeo.
Seine Finger zuckten zur Fernbedienung, die auf seinem Nachttisch lag, doch dann hielt er sich zurück.
Erst frühstücken, er war doch immer noch ein Mensch. Wie so oft strich er im Vorbeigehen über Romeos Gehäuse.
Huh, wie schnell er Staub fing! Er huschte in die Küche, um einen Lappen zu holen. Erst, als er wieder bei ihm war, fiel ihm ein, dass er auch Toast und Kaffee hatte machen wollen.
Am nächsten Tag frühstückte er gleich im Bett – schließlich war Sonntag. Romeo unterhielt ihn dabei mit einem sonnigen Wetterbericht. Julian lächelte. Was für ein schöner Tag!
Teil 3 folgt morgen...
S********sWhou, das ist ja echt super wieder geschrieben, danke!
P******eGegen Mittag klopfte seine Mutter an der Tür. "Julian?"
"Ich bin krank!", rief Julian.
"Was hast du denn?", fragte Mama. "Soll ich dir irgendwas bringen? Einen Tee, oder heiße Wickel?"
"Nein nein, ist schon OK. Ich brauch nur Ruhe."
Schweigen. Dann: "Solltest du dann nicht besser den Fernseher ausschalten?"
"Mama!" Julians Ton sagte alles. Seine Mutter stand noch eine Weile vor der Tür, dann hörte Julian endlich Schritte, die sich entfernten.
Am Samstag klingelte das Telefon. Julian sah in seinem Zimmer fern, also ging seine Mutter ran. Doch schon nach wenigen Worten klopfte sie wieder an Julians Tür.
"Für dich. Enzo."
Julian stöhnte. Dann quälte er sich aus dem Bett, öffnete die Tür einen Spalt und nahm das Telefon entgegen.
"Ja?"
"Hallo Julian ! Ich bin’s, Elnzo. Wir haben uns so lange nicht mehr gesehen. Hast du denn jetzt ein bisschen mehr Zeit? Ich würd mich echt gern wieder mit dir treffen."
"Mmm, weiß nich. Hab grad viel zu tun..."
"Hör mal, Julian... Wenn es wegen dem Geld ist: Ich lade dich ein."
"Was?"
"Na ja...", Enzo klang verlegen, "du warst immer so ausweichend und hattest keine Zeit, obwohl du mir nicht erzählen konntest, was los war. Und ins Kino wolltest du auch nicht. Da dachte ich... Ich weiß doch, wie wenig du verdienst, und ich dachte, vielleicht ist es dir nur peinlich, aber du hast das Geld nicht mehr zum Biertrinken..."
"Nein, nein, keine Sorge. Ich hab nur... viel zu tun."
"Läuft da Fernsehen im Hintergrund?"
"Mhm."
"Seit wann hast du einen Fernseher?"
"Zwei Wochen."
"Wow, ganz neu? Hast du überhaupt Zeit zum Fernsehen, wenn du so viel zu tun hast?"
Julian schwieg. Was sollte er sagen?
Doch Enzo verstand. "Ich komme zu dir."
"Aber..."
"Bin schon unterwegs! Bis gleich."
Julian starrte den Hörer an. Enzo hatte einfach aufgelegt... Er schüttelte den Kopf. Dann wandte er sich wieder Romeo zu.
Als es klingelte, bekam er das gar nicht richtig mit. Seine Mutter öffnete. Er hörte die beiden sprechen, aber Romeo fesselte ihn so sehr, dass er nicht darauf achtete.
Dann ging die Tür auf, und Enzo und Mama standen in seinem Zimmer. "Ich fass es nicht", sagte Mama und schüttelte den Kopf. Enzo ging auf Julian zu und nahm ihn die Fernbedienung weg.
"Seit wann sitzt du hier?", fragte sie und schaltete Romeo aus.
"Nicht", rief Julian.
Enzo schnüffelte. "Wann hast du eigentlich zuletzt geduscht?
"Ich habe ihn seit Mittwoch nicht mehr gesehen", jammerte Mama. "Julian, was ist denn los mit dir?"
"Ich habe doch nur ein bisschen ferngesehen. Habt ihr meinen Romeo gesehen?" Stolz mischte sich in Julians trotzigen Ton.
"Romeo?"
"Rock Mega Optic 2020", erklärte Julian. "Ich nenne ihn Romeo."
"Süßer, du hast eindeutig zu viel ferngesehen. Schau dich doch an", forderte Enzo. "Kein Wunder, dass du nicht mehr ausgehen willst, so ungepflegt, wie du aussiehst. Und für dieses Ding hast du auf unsere Treffen verzichtet?" Er schüttelte den Kopf.
Teil 4 folgt morgen...
S********sda bin ich aber sehr gespannt wie es weiter geht
P******e"Er ist so groß", verteidigte sich Julian. "Und die Bildqualität ist phänomenal. Außerdem..."
"Es ist ein Fernseher", stellte Enzo nüchtern fest. "Und er ist eindeutig nicht gut für dich. Du wirst ihn jetzt ausschalten, ganz, und dann duschst du und ziehst dich an, und ich lade dich in die Kneipe ein, damit du wieder unter Menschen kommst."
"Aber ich habe so lange darauf gespart! Und er ist so toll..."
"Er hat anscheinend dein ganzes Leben übernommen. Julian, bitte, schau in den Spiegel. Sieh, was er aus dir gemacht hat..."
Julian schaute in den Wandspiegel. Enzo hatte Recht, wie er mit Entsetzen feststellte. Seine Haare waren fettig und ungekämmt, sein Gesicht verquollen und knittrig. Und wenn er darüber nachdachte, wann er das letzte Mal ein richtiges Gespräch geführt hatte...
Er legte den Finger auf den Stromknopf.
Dann warf er Enzo einen Blick zu, der aufmunternd nickte. Er sah auf Romeos Bildschirm, der ihn warm anlächelte. Julian seufzte. Er wollte in diesem Lächeln versinken, aber... Es war alles gesagt.
Er warf ihn noch einen letzten Blick zu. Er biss sich auf die Lippen.
Dann wurde alles dunkel, und Julian ging mit Enzo Biertrinken.
Ende