Triage

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6 answers in this topic
vontintin81 yrs
Immer häufiger taucht der Begriff in Nachrichten und Kommentaren auf, aber keiner spricht da ein klares Wort.
Ursprünglich kommt das aus der Militärmedizin, wo z.B. nach der Schlacht das Schlachtfeld übersät war mit Verwundeten. Die hat man dann grob eingeteilt in relativ leicht Verwundete, schwer Verwundete und schwerst Verwundete. Um die Verletzten der Kategorien 1 und 2 hat man sich gekümmert, die aus Kat. 3 hat man sozusagen links liegen lassen, weil man ihre Heilungschancen als sehr gering angesehen hat.
Was hat das mit Corona-Patienten zu tun?
Ich finde es ungerecht, dass das medizinische Personal und die Krankenhäuser blockiert werden durch Corona Erkrankte, die sich nicht haben impfen lassen. Mein Triage-Vorschlag:
Kat. 1 : Nicht Corona Erkrankte, die dringend ärztliche Behandlung brauchen, z.B. bei Transplantationen
Kat. 2 : Corona Erkrankte, die sich trotz Impfung angesteckt haben
Kat. 3 : Ungeimpfte Corona Erkrankte, sofern überhaupt entsprechendes Personal und Material zur Verfügung steht.
Das klingt jetzt alles sehr kaltherzig und ich muss sagen, mir ist selbst nicht wohl dabei.
Aber wer sich als Impfverweigerer so rücksichtslos gegenüber seiner Umwelt verhält, soll nicht bevorzugt behandelt werden.
meeeep57 yrs
Ich finde diesen Begriff fehl am Platz.

Triage kommt wie du sagst,  ursprünglich aus der Katastrophenmedizin bei einem Massenanfall von Verletzten/Erkrankten. Also z.B. ich habe 2000 schwer Verletzte aber nur 300 Möglichkeiten der Versorgung. Personal und Material bedingt. Dann muss ich die Entscheidung treffen, wem ich noch helfen kann. Jemand mit schwersten, absehbar tödlichen Verletzungen werde ich nicht mehr helfen können. Ich muss meine Kapazitäten auf Menschen richten, denen mit den zur Verfügung stehenden Mitteln geholfen werden kann. Ein gruseliger Abwägungsprozess, aber in diesem Fall könnte man keine Behandlung der Maximalversorgung bei einen nahezu aussichtslosen »Fall« durchführen. Man würde dabei Menschen mit weniger schweren aber händelbaren Verletzungen ebenfalls in Gefahr bringen.

So etwas gibt es z.B. im Krieg oder bei extremen Umweltkatastrophen.

So weit sind wir zum Glück noch lange nicht.
Was hier als Triage beschrieben wird, (Formal ist es natürlich eine) ist eine Umleitung von Patienten in andere Kliniken oder Versorgungseinrichtungen. Das ist für viele Patienten und deren Angehörige eine enorme Belastung. Aber eine Klinik der Maximimalversorgung muss ihre Kapazitäten eben auf die schwersten Fälle leiten und leichtere Fälle müssen dann eben in eine Klinik die auch mal einige Kilometer weiter weg ist. Das passiert bereits jetzt in den Ballungszentren. Ganz ohne den Begriff Triage, einfach durch Koordination der Rettungsleitstellen und Absprache zwischen den Kliniken. Viele »normale« Notfälle könne auch in kleineren Kliniken im Umland versorgt werden, sofern der Transport dahin verantwortbar ist. Grundsätzlich gilt: Der Transport muss in das nächste GEEIGNETE Krankenhaus erfolgen. Ein gebrochenes Bein, oder sofern stabil versorgt, ein Herzinfarkt, kann auch in einem entfernteren Krankenhaus versorgt werden, wenn z.B. die Uniklinik vor der Haustür überläuft. Das ist allerdings Tagesgeschäft auch ohne Corona.

Das man diesen Begriff aus der Katastrophenmedizin so leichtfertig einsetzt und damit Stimmung macht, halte ich für wenig hilfreich. Aktuell sind wir noch weit von solchen Zuständen entfernt und ich hoffe, bei all dem was schon wieder los ist, dass wir da auch nicht hinkommen.
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peti77 yrs
danke für die ausführliche erklärung!
P*******p

Hoffen darf man ja. Aber zu sagen "Aktuell sind wir noch weit von solchen Zuständen entfernt" und "dass wir da auch nicht hinkommen" ist wohl eher "leichtfertig"!

Es gibt nicht wenig Ärzte großer Krankenhäuser, die da schon jetzt deutliche Worte finden was ihre Situation betrifft und was noch auf sie zukommen könnte, auch wenn sie den Begriff "Triage" wohl nur sehr ungern benutzen. Und ich glaube nicht, daß es ihnen dabei um "Stimmungmache" geht.

Und das jetzt schwerstkranke Coronapatienten von Süd nach Nord quer durch die Republik geflogen werden weil dort noch freie Intensivbetten vorhanden sind, ist wohl auch alles andere als eine "normale" Verlegung von einer Klinik in eine nächste in der Nachbarschaft, und darum nicht vergleichbar!

Niemand kann sagen was noch auf uns zukommt!
Und denen, die es trotzdem gemacht haben (kein Mangel an Intensivbetten, kein bundesweiter Lockdown mehr, keine Schulschließungen mehr, keine allgemeine Impfpflicht, kein sonstwas mehr), fällt ihre Leichtfertigkeit jetzt auf die Füße!

Die Zeit und das Virus wird uns lehren wohin die Reise geht!
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meeeep57 yrs
Mir ist das durchaus bewusst. Ich steh jeden Tag in der ersten Reihe an der Coronafront.

Das mit den Verlegungen ist genau das was ich beschreibe. Die Kliniken der Maximalversorgung übernehmen die schweren Coronafälle. Die »kleineren« Kliniken versorgen verstärkt die anderen Patienten. Damit werden die Plätze optimal ausgenutzt. Die Intensivbetten die derzeit für Corona gebraucht werden, sind ja sonst nicht leer. Und es ist logistisch einfacher, komplette Stationen zur Iso zu erklären als nur einzelne Zimmer. Auch bei uns werden Patienten in andere Häuser verlegt. Dort wird versucht, so lange wie möglich Coronafrei zu bleiben. Dort läuft auch nur ein eingeschränktes Programm, aber die Allgemeinversorgung kann so einfacher sichergestellt werden.

Wir haben schon im letzten Frühjahr Patienten aus dem Elsass aufgenommen, als dort die Sache hochgekocht ist. Die Verlegung geht immer dahin wo noch Kapazität ist oder geschaffen werden kann.

Natürlich kann es auch bei uns zu einer echten Triage kommen. Allerdings haben wir dann echte Katastrophenzustände wie damals in Südamerika, bei denen Patienten vor der Tür bleiben. Davon sind wir aktuell noch weit entfernt.
Im Moment sind wir am Problemlösen und am Bundesweiten managen von Versorgungsplätzen. Deswegen finde ich den Begriff Triage auch schwierig. Bei uns verwendet den derzeit niemand. Es wird niemand aussortiert, im Einzelfall nur umgeleitet. Die Stimmung ist ziemlich aufgeheizt. Da muss man mit Worten vorsichtig sein.
Bei einer echten Triage lässt man notgedrungen Menschen sterben und muss sie regelrecht aussortieren. Ich hoffe, dass wir soweit nicht kommen.

Das ist wie die neue Virusmutante die jetzt angekommen ist. Keiner weiß was genaues, aber alle machen schon mal Panik. Ich finde… ich glaube… es könnte… und wenn, dann … oje oje …
Das war bei Delta genauso. Was kommt, das kommt sowieso. Mit Stimmung aufheizen ist niemandem gedient.
P*******p

Da hast Du natürlich Recht....     mit Stimmung aufheizen ist niemandem gedient.
Allerdings, mit abwiegeln und verharmlosen auch nicht!

Aber egal....    ich nehme es einfach mal als eine Gelegenheit Dir, den Ärzten, und allen anderen in den Pflegeberufen meinen Respekt auszudrücken für euren unermüdlichen Einsatz. Obwohl wir ja alle wissen, daß Anerkennung und Beifall alleine, für diese aufopfernde Tätigkeit in diesen Zeiten nicht ausreichend sind.
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slimfastbear58 yrs
arbeite auch auf einer Krisen und Aufnahmestation
die täglichen Gesetzesänderungen und der bürokratische Aufwand verstärken das Chaos und dir Unsicherheit der Leute
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