former memberDie Zahnseide des Satans
Eine Blutspur führte über die Stufen der Eingangstreppe in die Praxis des Zahnarztes Diego Fratelli. Wir brauchen nur der Spur zu folgen, wandte sich Kriminalkommissar Wenzel Stubbe an seinen Vorgesetzten, den Kriminalhauptkommissar Carsten Kropp, dann haben wir ihn. Sie standen auf dem Parkplatz vor der Praxis und nahmen die Personalien des Zahnarztes auf. Dieser hatte die 110 gewählt, war ins Freie gestürmt und ging den herbeigeeilten Beamten nun mit seinen Quengeleien gehörig auf die Eier.
Es war auch nicht klar, wen Kommissar Stubbe mit ihn meinte: den Mörder, den Zahnarzt, den Fingerabdruck, die Putzfrau Hermine Fangmann (die als Sexbesessene einen guten Ruf in der Stadt führte) oder den mysteriösen Mieter im zweiten Stock des Hauses, von dem es hieß, es gäbe ihn womöglich gar nicht, da sei Steuerbetrug im Spiel, eine sogenannte Leervermietung.
Diego Fratelli hatte das Thema gewechselt und dozierte jetzt über einen ihn belastenden Vaterschaftsbeweis, den er mit einer Gegen-DNA zerbomben und vernichten würde, da würde Lava fließen.
Die Lügen der triebgesteuerten Fangmann würde er aus ihren Lenden bohren, rief er. Kropp stöhnte. Er zog seine Sig Sauer P6, lud sie durch und schoss den seit Sonnenaufgang krakeelenden Kanarienvogel vom Fenstersims. Dann drehte er die Waffe, so dass der Lauf auf seinen Mund zielte und sog in tiefen Zügen den austretenden Rauch ein. Dies war seine Art, sich die Unbill des Tages wegzuschmauchen. Von E-Zigaretten hielt er nichts. Die stinken wie Opa Suhren nach der Zweite-Weltkrieg-Erinnerungsflatulenz. Kropp lachte trocken und rotzte einen versteinerten Kaugummi vor die Füße des Zahnarztes.